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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 83 Dokumentation sind. Eine Schulung bei der Einführung macht sich bezahlt. Ein Vergleich der verschiedenen Beobachtungen wird nur möglich sein, wenn alle die gleiche Sprache sprechen! Folgende Anforderungen sollte eine schriftliche Wunddokumentation erfül- len: • Verständlich und nachvollziehbar für alle, die damit arbeiten • Übersichtlich und klar gegliedert • Zugänglich für alle Beteiligten • Gemeinsame Sprache, die alle ver- stehen • In die bestehende Struktur integrier- bar Als Alternative zu den umfangreichen Dokumentationsbögen können alle zur Dokumentation notwendigen Daten heutzutage leicht in ein Wunderfas- sungsdokument, einer EDV basierten Patientenakte, eingegeben werden. Be- reits existiert auch hier eine Vielzahl speziell entwickelter Wunddokumen- tationssoftware. Eine Liste der auf dem Markt verfügbaren Softwarelösungen befinden sich im Anhang B. Das Wundkonzept In der Regel sind verschiedene Fach- gebiete und Personen in die Therapie und Pflege involviert. Deshalb ist sind ein transparenter, verständlicher Stan- dard, wie die Therapie durchgeführt wird sinnvoll. Diese Umstände ma- chen sichtbar, dass es wichtig ist, dass alle Beteiligten auf ein klar festgeleg- tes Schema zurückgreifen können, aus welchem sie in jeder Phase der Wund- heilung schnell ableiten können, welche Therapie nun indiziert ist. Es ist kontra- produktiv, wenn bei Personalwechsel in kurzen Zeitabständen von an der Wund- pflege Beteiligten intuitiv entschieden wird, dass die Therapie umgestellt wer- den soll. Um dem entgegenzuwirken, braucht es ein Wundkonzept. Um bei Fertigstellung die breite Akzeptanz in der Praxis zu erreichen, die ein Konzept für die erfolgreiche Umsetzung braucht, ist es von vorn- herein wichtig, wenn immer möglich die Arbeitsgruppe mit Personen aus den verschiedensten Disziplinen und Arbeitsgebieten zu bilden. Dabei soll- ten nicht nur die Erfahrungen der ein- zelnen Beteiligten einfließen. Die be- schlossenen Maßnahmen müssen auch Anforderungen an die Evidenz stand- halten können. Der Markt bietet viele, sich schnell ablösende Produkte. Kein Kongress und keine Ausstellung, an der nicht mindes- tens ein „grundlegend“ neues Wund- therapeutikum vorgestellt wird. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, sollten in einem Wundkonzept Produkt- gruppen und nicht direkt Produktna- men vermerkt werden. Dieser Schritt hin zur Flexibilität garantiert die län- gere Aktualität des Dokuments. Regel- mäßige Schulungen informieren die an der Wundtherapie Beteiligten, welche zum Einsatz gelangenden Produkte in welcher Kategorie verwendet werden sollen. Das Wundkonzept sollte struktu- riert aufgebaut sein, so dass ein Ver- gleich mit der aktuell behandelten Wun- de schnell und unkompliziert möglich ist. Es eignet sich hierzu die Aufteilung nach Wundfarbe, Wundstadien, oder Wundphasen. Auch die Implementie- rung des Exsudationsgrades bei der Zu- teilung ist wichtig. Ist das Wundkonzept fertig erstellt, empfiehlt es sich, eine „Taschenausga- be“ in Kurzform zu drucken, die alle Be- teiligten in der Tasche des Arbeitskittels tragen können. Nur wenn das Konzept dort griffbereit ist, wo es unmittelbar gebraucht wird, kommt es auch konse- quent zum Einsatz. Bestehen nicht bereits separat for- mulierte Pflegestandards kann es hilf- reich sein, sich mit ergänzenden The- men wie „Schmerzen beim Verband- wechsel“, dem „praktische Ablauf des Verbandwechsels“, Ernährung bei Wundheilungsstörungen, Dekubitus- konzept, Richtlinien für die Dokumen- tation, Wundanamnese, Austrittspla- nung etc. zu befassen und sie im Kon- zept zu verankern. Ein Wundkonzept, das nicht durch regelmäßige Schulungen ergänzt wird, ist schnell ein wertloses Dokument, das zu Fehlinterpretationen führt oder gar nicht mehr verwendet wird. Der kostensparende Faktor eines Wundkonzepts sollte ebenfalls Erwäh- nung finden. Im Konzept wird fest- gelegt, welche Produkte von welchen Firmen zum Einsatz gelangen werden. Eine Beschränkung auf einige wenige Anbieter, dafür mit guten Konditionen, hilft, die Kosten für Wundtherapeutika in den Griff zu bekommen. Als weiterer Kosten senkender Faktor kommt hinzu, dass alle im Betrieb wissen, wann sie welches Therapeutikum für wie lange anwenden sollen. Verfrühte Wechsel oder sinnlose Verschwendung von Ma- terial kann so auf ein Minimum redu- ziert werden. | Die fotografische Dokumentation „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“ Diese alte Weisheit kommt auch bei der Wunddokumentation zum Tragen. Während des Verbandwechsels kön- nen Feinheiten übersehen werden, die auf einem guten, detailreichen Foto im Nachhinein sichtbar sind. Gerade die Therapie von chroni- schen Wunden ist oft eine sehr lang- wierige Angelegenheit, die sich über Monate hinzieht. Fortschritte lassen sich dabei je nach Situation nicht vom einen zum anderen Verbandwechsel er- kennen. Ein Foto, vielleicht zwei Monate vorher aufgenommen, zeigt unerwartet im Vergleich eine Heilungstendenz, die auf Grund der schriftlich dokumentier- ten Beobachtungen nicht explizit sicht- bar ist. Solche Vergleiche von Fotos kön- nen helfen, beim behandelnden Perso- nal und dem Patienten einen Motiva- tionsschub auszulösen. Des Weiteren können Wundfotos als wertvolles Schulungsmaterial zum Einsatz kommen. Die Wundpflege lebt von gemachten Erfahrungen und es ist wichtig, dass diese Erfahrungen auch einem größeren Kreis, wenn möglich außerhalb des behandelnden Teams zu- gänglich gemacht werden. Allerdings sollte hierbei strikte auf eine Anony- misierung der Bilder geachtet und das Einverständnis des Patienten eingeholt werden. Zur Wundfotografie eignen sich heute vorwiegend digitale Kameras mit ca. 4 Mio. Pixel Auflösung. Sofort- bildkameras sind für die Wundfotogra- fie nicht mehr zeitgemäß, ist die Bild- qualität doch häufig so schlecht, dass eine genaue Beurteilung der Wunde nur ungenau oder gar nicht erfolgen kann.

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