Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 79 Wundheilung • Verlängerung der Entzündungspha- se und Erniedrigung der Leukozyten- phagozytose • Reduktion der mechanischen Stabili- tät der Wunden Die Phasen der Wundheilung, die in chronischen Wunden oft parallel ver- laufen, können nicht abgeschlossen werden, die Wundheilung ist deutlich verzögert [7]. Um den Ernährungszustand eines Patienten möglichst rasch einzuschät- zen, können als Unterstützung ein- fach durchführbare und allgemein an- erkannte und validierte Assessmentins- trumente wie beispielsweise das „Sub- jective Global Assessment „ (SGA) mit einer Sensitivität von 82 % und einer Spezifität von 72 % angewendet wer- den [3, 12]. Ein weiteres weit verbrei- tetes Assessmentinstrument ist das „Mini Nutritional Assessment“ (MNA) mit einer Sensitivität von 96 % und einer Spezifität von 98 % [12]. Hier- bei werden je nach Verwendung eines Mangelernährungsscreenings anth- ropometrische Daten wie Body Mass Index, ungewollter Gewichtsverlust in den letzten 3 Monaten, Beurteilung der Nahrungsaufnahme, die Mobilität und der Grad der Pflegebedürftigkeit mit- einbezogen [4, 7, 11]. Ein weiteres As- sessmentinstrument ist das Nutritional Risk Screening (NRS), mit dem das Ri- siko einer Mangelernährung ebenfalls schnell und einfach erfasst werden und entsprechende ernährungstherapeuti- sche Schritte eingeleitet werden kann. Dieses Instrument kann unter folgender Adresse gratis heruntergeladen wer- den: http://www.nestlenutrition.ch/health- care/SiteCollectionDocuments/NRS_ger- man.pdf. Zusätzlich zur klinischen Einschät- zung empfiehlt es sich Laborparameter wie beispielsweise die Lymphozyten (bei einer Malnutrition erniedrigt) mit- zubestimmen, um den Ernährungssta- tus genauer beurteilen zu können [11]. Um einer Wundheilungsstörung entgegenzuwirken, ist eine adäquate Bereitstellung aller notwendigen Nähr- stoffe nötig. Dabei muss die grundsätz- liche Entscheidung getroffen werden in welcher Form die Nahrung zugeführt werden kann, ob eine enterale respek- tive eine parenterale Zufuhr möglich bzw. nötig ist [7]. Betrachtet man die Wundheilung und die Ernährung, so kann gesagt werden, dass Makro- und Mikronährstoff einen erheblichen Einfluss auf die Proteinsyn- these und somit auf die Zellproliferation haben können [7]. Im Folgenden wird auf die Makro- sowie Mikronährstoffe eingegangen: Makronährstoffe Makronährstoffe sind die Energieträger der Nahrung und werden vom Körper zur Energiegewinnung benötigt. Man unterscheidet die drei Makronährstof- fe: Proteine (Eiweiße), Kohlenhydrate und Lipide (Fette). Obwohl auch Wasser zu den Mak- ronährstoffen gehört, wird es häufig getrennt betrachtet, da der Körper kei- nen „Nährwert“ daraus ziehen kann. Trotzdem handelt es sich bei Wasser sowohl quantitativ als auch qualitativ um den wichtigsten Bestandteil unse- res Körpers. So ist es bei der Wundpfle- ge wichtig zu dokumentieren wie viel Flüssigkeit in Form von Exsudaten der Patient durch die Wunde verliert, um dieses wieder zu substituieren [4, 7, 11]. Proteine: Proteine, auch Eiweiße genannt, sind als Grundsteine des Körpers zu be- trachten. Langandauernder Protein- mangel ist hauptverantwortlich bei der Entstehung von Wundheilungsstörun- gen. Dieser Proteinmangel kann durch Laborwerte (Gesamteiweiß oder Albu- min) bestimmt werden. Proteinmangel verhindert zudem eine adäquate Nar- benformation und behindert den Wund- heilungsprozess [14]. So wird bei einer ungenügenden Energiezufuhr körper- eigenes Eiweiß zur Energiegewinnung herangezogen. Dabei kommt es zu einem massiven Muskeleiweißverlust. Bei der Wundheilung ist der Eiweiß- bedarf erhöht und liegt zwischen 1,2– 1,5 g/kg Körpergewicht. Dies da für die Produktion von Bindegewebe und bei der Kollagensynthese die Aminosäu- ren wie Methionin, Cystein und Arginin beteiligt sind. Arginin hilft zusätzlich bei der Verbesserung der Immunant- wort bei Infektionen [7, 11]. In Tabelle 2 sind Referenzwerte für die Eiweßzu- fuhr aufgelistet. Diese Aminosäuren werden bei einer gut ausgewogenen Mischkost aus tierischen und pflanzlichen Pro- Tabelle 1 Wirkstoffklassen und deren Effekte [2, 9]. Wirkstoffklasse Effekt NSAR (Nicht steroidale Antirheumatika) Beeinflussen die Entzündungsphase, in dem die zyklo-oxyge- nase Produktion gehemmt wird. Reduziert die Zugbelastbarkeit der Wunde Kolchizin Beeinflussung folgender Wundheilungsphasen: Proliferative Phase: Hemmung der Fibroblastenproliferation. Epithelisations- phase: Herabsetzen der neu geformten extrazellulären Matrix. Kortikosteroide Beeinflussen die hämostatische Phase der Wundheilung, indem die Plättchenadhäsion verringert wird. Beeinflussen die Entzün- dungsphase, indem die Phagozytose negativ beeinflusst wird. Beeinflussen die Epithelisierungsphase, indem die Fibroblasten- aktivität herabgesetzt und die Kollagensynthese gehemmt wird. Thrombozytenaggre- gationshemmer Beeinflussen die hämostatische Phase der Wundheilung durch eine Hemmung der Plattenaggregation. Hemmen eine Entzün- dung durch Arachidonsäuremetaboliten. Kumarine (Vitamin K- Antagonisten) Beeinträchtigen die hämostatische Wundphase, wegen ver- mehrter Fibrinbildung. Können zu Gewebenekrosen und Gan- grän führen. Es können atheromatöse Plaqueembolien in Form von Mikrocholesterolkristallen stattfinden (Blue-Toe Syndrom). Vasokonstriktoren (Nikotin, Kokain, Adrenalin) Vasokonstriktoren • Beeinflussen die proliferative Wundheilungsphase indem sie auf die Neovaskularisation hemmend wirken und somit eine Verminderung bei der Bildung von Granulationsgewebe her- beiführen. • Beeinflussen die Mikrozirkulation durch Vasokonstriktion, ver- stärken die Abstossung von Hauttransplantaten sowie die Bil- dung von Nekrosen

Seitenübersicht