Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

SAfW Wundkompendium - 78 Welche Einflussfaktoren können eine Wundheilung hemmen?

78 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Wundheilung Welche Einflussfaktoren können eine Wundheilung hemmen? S. Probst | Einleitung Die meisten Patienten, die unter einer chronischen Wunde leiden, haben oft einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, denn das Leben mit einer solchen Wunde bedeutet oft eine Einschränkung der Lebensqualität in Bezug auf die phy- sische, psychische, soziale und funktio- nale Ebene [1, 6]. Panfil et al. (2009) be- richtet, dass die meisten Patienten unter folgenden Punkten leiden [6]: • Schmerzen • Mobilitätseinschränkungen • Wundexsudat, -geruch • Müdigkeit und Schlafstörungen • Energiemangel • Jucken und Schwellungen der Beine • Muskelkrämpfe • Einschränkungen der Aktivitäten des täglichen Lebens • Beeinträchtigungen im sozialen Le- ben • Berufliche und finanzielle Belastun- gen Es wird zudem berichtet, dass einige Patienten mit einer chronischen Wun- de Angst haben, bei anderen Menschen aufzufallen. Zum Beispiel aufgrund des Wundgeruchs oder durch Exsudat, das die Kleider durchnässt hat. Eine Kon- sequenz davon kann sein, dass sie sich immer mehr von sozialen Kontakten zurückziehen und sich somit langsam isolieren. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Patienten, bei denen ihre chronische Wunde einen Kontakt zur Außenwelt wie beispielsweise zu Pfle- genden oder Ärzten darstellen kann. Sehr oft ist dies der einzige soziale Kon- takt, den diese Patienten haben [1]. Dieses Kapitel befasst sich mit verschie- denen Faktoren, die auf den Heilungs- prozess einer chronischen Wunde einen Einfluss haben. Folgende Einflussfakto- ren, die die Wundheilung beeinflussen können, werden im Folgenden erläu- tert: lokale und systemische Faktoren, Medikamente und andere Stoffe sowie Ernährung. | Lokale und systemische Faktoren Die meisten Wunden jeglicher Ätiologie heilen ohne große Schwierigkeiten [6]. Doch einige Wunden heilen nicht und müssen nach einem palliativen Ansatz gepflegt werden [8, 17]. Der Grund für das Nichtheilen kann beispielsweise auf eine inadäquate Blutzufuhr und/oder die Ursache wie beispielsweise ein Tu- mor kann nicht behandelt werden [13]. Ein weiterer Faktor kann sein, dass bei- spielsweise der Patient die Behandlung verweigert (Nichtragen von Kompres- sionsstrümpfen) oder aber auch ein Fehler des Gesundheitssystems. Diese Wunden werden „Maintenance- Wun- den“ genannt [13]. Die Wundheilungs- törung kann zudem auf lokale und/oder systemische Faktoren zurückzuführen sein. Lokale Faktoren können unter an- derem eine ungenügende Blutzufuhr, Bioburden, Infektion, Venöse Insuffi- zienz +/- venöse Hypertonie, Präsenz von Fremdkörpern oder eine erhöhte Hautspannung ein [2, 13]. Systemische Faktoren auf der anderen Seite können unter anderem Alter, Immobilität, Adi- positas,Anämie,Rauchen,Malnutrition, Rheuma, Chemotherapie und Radiothe- rapie, Immunosuppressiva, Kortikoste- roide, Antikoagulanzien Vererbte neut- rophile Störungen, Niereninsuffizienz, eingeschränkte Makrophagenaktivität (Malakoplakie), Hypertonie, Hepatitis C (Kryoglobulinämie) oder Schock jeg- licher Ätiologie beinhalten [2, 13]. | Medikamente und andere Stoffe Medikamente sowie andere Stoffe kön- nen auf die Wundheilung einen nega- tiven Effekt ausüben. Vasokonstrikto- ren wie beispielsweise Nikotin, Kokain, Adrenalin oder Ergotamin können eine Gewebehypoxie durch die Beeinträchti- gung der Mikrozirkulation verursachen. In der Literatur wird darauf hingewie- sen, dass Immunsuppressiva und Zy- tostatika einen negativen Einfluss auf die Wundheilung haben [2, 9]. Patien- ten, die Immunsuppressiva einnehmen haben zudem ein erhöhtes Risiko, eine maligne Ulzeration zu entwickeln [5]. Es wird empfohlen bei Patienten, die Im- munsuppressiva einnehmen und eine Ulzeration aufweisen, eine Biopsie von dieser durchzuführen. Dies um eine ma- ligne Entartung auszuschließen bezie- hungsweise zu bestätigen[2]. In Tabel- le 1 werden die wichtigsten Wirkstoff- klassen und deren Effekte beschrieben. | Ernährung Die Ernährung eines Patienten mit einer chronischen Wunde nimmt nebst der lokalen Wundbehandlung eine wichti- ge Rolle im Wundheilungsprozess ein. Meist besteht ein Defizit zwischen er- höhtem Energie- sowie Nährstoffbe- darf und einer reduzierten Aufnahme von Nahrung. Dies bedeutet, dass der Patient unter einer Malnutrition (Man- gelernährung) leidet. Wundheilungs- störungen treten nicht nu r bei kachekti- schen, sondern auch bei normalgewich- tigen oder adipösen Patienten auf. Eine Malnutrition verlangsamt die Wundhei- lung und erhöht das Risiko durch die Beeinträchtigung der Immunantwort. Folgen für die Wundheilung sind: • Verringerung der Neovaskulisation, Fibroblastenaktivität, Kollagensyn- these, Wundremodeling Dr. Sebastian Probst DClinPrac, RN Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Gesundheit Technikumstr. 71, 8400 Winterthur E-Mail: prob@zhaw.ch

Seitenübersicht