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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 75 Schmerz auch die Schmerzärmste ist. Obwohl das scharfe Débridement das aggres- sivste und damit auch die schmerzhaf- teste Methode ist, kann hier bei einer guten Vorbereitung schmerzarm Ne- krose und Fibrin abgetragen und die Wunde angefrischt werden. Kalte Wundspüllösungen können empfindlich reizen und sollten deshalb auf Körperwärme temperiert werden. Einzelne Patienten reagieren auf NaCl 0,9 % mit brennenden Schmerzen. Hier bieten Spüllösungen auf gereinigter Wasserbasis eine gute Alternative. Pharmakologische Schmerztherapie Die moderne Schmerzbehandlung be- dient sich situationsgerecht verschie- dener Wirksubstanzen zur Behand- lung von Schmerzen. Dabei gilt es, neben den Medikamenten wie sie im WHO Stufenschema (Tab. 1) zur sys- temischen Schmerztherapie empfoh- len werden, auch an die sogenannten Co-Analgetika zu denken (Tab. 2). Bei der Behandlung chronischer Schmer- zen haben Antikonvulsiva (= Antiepi- leptika) und Antidepressiva als Co-An- algetika zunehmende Aufmerksamkeit erlangt. Diese Substanzen verändern die Schmerzwahrnehmung und helfen bei der Therapie der neuropathischen Schmerzkomponente. Neben der systemischen Schmerz- therapie kommen zunehmend auch lo- kale Therapien zur Anwendung. Hier ist die aktuelle Forschungslage allerdings meist dünn. Als Minimalanforderung beinhaltet, dass lokal angewendete Schmerzmittel eine dokumentierte Wir- kung, niedrige systemische Nachweis- barkeit, ein niedriges Sensibilisierungs- Potential und keine wundheilungshem- menden Effekte haben [30]. Prilocain – Lidocain Crème: Die analgetische Wirksamkeit während des Débridements und während einer gewissen Zeit nach der Intervention ist für Prilocain-Lidocain Crème (Lokal- anästhetika des Amid-Typs) dokumen- tiert [4]. Prilocain-Lidocain Crème ist eine Crème die je 25mg Lidocain und Prilocain auf 1gr Crème und die Trä- gersubstanzen Carbopol (Eindickung) und Arlatone (Emulgator) enthält. Sie wurde für die topische Hautanästhe- sie entwickelt und ist in der Schweiz auch für die Anwendung bei Ulcus cru- ris bei Erwachsenen zugelassen [2]. Vor der mechanischen Reinigung oder zum Débridement bei Ulcus curis wird Pri- locain-Lidocain Crème in einer Schicht von ca.1-2gr/10cm2 bis zu maximal ins- gesamt 10g aufgetragen und okkludiert. Die Applikationszeit sollte mindestens 30 Minuten betragen. Eine Verlänge- rung bis zu 60 Minuten kann die Anäs- thesie vertiefen. Nach Entfernung der Crème sollte sofort mit der Reinigung oder dem Débridement begonnen wer- den. Die maximale Wirkdauer wird mit fünf Stunden angegeben [2,26]. Bei Applikationen von bis zu 15mal innerhalb von 1–2 Monaten konnten kei- ne lokalen Reaktionen oder ein Wir- kungsverlust festgestellt werden [26]. Es wird empfohlen Prilocain-Lidocain Crème nicht mehr als 3mal pro Woche anzuwenden. Das Arzneimittelkompen- dium gibt an, dass aufgrund der feh- lenden Datenlage Prilocain-Lidocain Crème für andere Wundarten als Ul- cus cruris derzeit nicht empfohlen wer- den kann. Vor der Anwendung sollten potentielle Einschränkungen im Arz- neimittelkompendium nachgelesen werden. Die häufigste Nebenwirkung von Prilocain-Lidocain Crème ist ein brennender Schmerz oder Jucken zu Beginn der Applikation. Negative Ef- fekte auf die Wundheilung wurden bis dato nicht dokumentiert [2,4]. Aller- dings gibt es Hinweise aus der Zahn- medizin dass Überempfindlichkeiten gegenüber Lokalanästhetika bestehen [9]. Zudem werden Nekrosebildung bei Wunden mit einer Mikrozirkulations- störung beschrieben, die der vasokons- triktiven Wirkung zugeordnet werden [28]. Entsprechend ist bei der Anwen- dung Vorsicht geboten. Lidocaine: Obwohl für die topische Anwendung von Lidocaine keine expliziten Studien gefunden wurden, lässt sich die An- wendung mit der Zulassung von Prilo- cain-Lidocain Crème, die diesen Wirk- stoff beinhaltet, ableiten. Sibbald et al. (2006) empfehlen 4 % Lidocaine vor schmerzhaften Interventionen. Die kli- nische Erfahrung zeigt, dass bereits 1 % Lösung von Lidocaine bereits wir- kungsvoll als Oberflächenanästhe- sie und beim Ablösen von verhafteten Wundauflagen wie z.B. der Schaum- stoffe bei Wundvakuumtherapie ver- wendet werden kann. Die Maximaldosis muss äquivalent zu Prilocain-Lidocain Crème berechnet werden. Ibuprofen: Eine weitere Therapiemöglichkeit bietet eine Polyurethan-Schaumstoff-Wund- auflage mit 0,5 mg Ibuprofen pro cm2 in der Wundkontaktschicht. Der Wirk- stoff wird je nach Exsudatmenge in die Wunde abgegeben. Die Wundauflage kann laut Hersteller bis zu sieben Tagen belassen werden. Zwei Publikationen, die im Rahmen einer Anwendungsbe- obachtung gesponsert durch die Her- stellerfirma durchgeführt wurden, be- stätigen die Wirksamkeit in Bezug auf Schmerzreduktion und verbesserter Le- Nicht opiode Anal- getika (peripher oder zentral wirksam) Schwache Opioide (zusätzlich zu Stufe 1 oder alleine) Starke Opioide (zu- sätzlich zu Stufe 1 oder alleine) Beispiele: Novaminsulfat, Paraceta- mol, NSAR Beispiele: Codein, Dihydrocodein, Tramadol, Naloxon Beispiele: Morphin, Hydromorphon, Fentanyl Tabelle 1 Das WHO-Stufenschema Schmerz. Wirkstoff (Beispiele) Indikation Antidepressiva Amitryptylin (Saroten® ), Clomipramin (Anafranil® ), Duloxetin (Cymbalta® ) Dumpfe, bohrende und brennende Schmerzen Antikonvulsiva Gabapentin (Neruontin® ), Pregabalin (Lyrica® ) Stechende und oder ein- schießende Schmerzen Tabelle 2 Pharmakotherapie bei Patienten mit chronischen Schmerzen (Co-Analgetika).

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