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SAfW Wundkompendium

74 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Schmerz therapie wissenschaftlich nur einge- schränkt nachweisbar ist, werden sie in Standards und Leitlinien erwähnt [22]. Das Ziel der Schmerzbehandlung muss mit dem Patienten besprochen sein und muss nicht immer Schmerz- freiheit sein. Patienten profitieren zum Beispiel davon, wenn sie Wege finden, um schmerzauslösende Situationen zu minimieren oder zu umgehen. Bei der bereits genannten Schmerzerfassung kann nach den Erfahrungen und Ge- wohnheiten zum Umgang mit Schmerz gefragt werden. Dies kann in die Be- handlung einfließen und stärkt das Ge- fühl der Selbstwirksamkeit von Patien- ten. Nebst der medikamentösen Be- handlung von Schmerzen können ver- schiedene Sinnesanreize die Schmerz- empfindung beeinflussen [20]. So kann Musik oder die Anwendung von spezifischen Düften (Aromathera- pie) während des Verbandwechsels ent- spannen [15]. Atemübungen oder das sich Vorstellen angenehmer Situatio- nen können vom Schmerz ablenken. Als weitere Entspannungstechniken gelten das autogene Training und die progres- sive Muskelentspannung. Kälteanwendungen können den Schmerz lindern indem sie die Sensi- bilität gegenüber dem Schmerz senken. Während des Verbandwechsels können diese Anwendungen auch auf der kon- tralateralen Seite durchgeführt wer- den. Kontraindikationen hierfür sind unter anderem Erkrankungen der pe- ripheren Gefäße und bestehende Haut- schäden [24]. Positionsveränderungen während des Verbandwechsels können, je nach Wundlokalisation und Dauer des Ver- bandwechsels, die Schmerzempfin- dung positiv beeinflussen. Als weitere Ansätze zur Schmerz- reduktion werden Ergotherapie, Psy- chotherapie, manuelle Medizin oder komplementär medizinische Ansätze wie Akupunktur, Homöopathie, Neur- altherapie, Kinesiologie, Cranio-Sakral- Therapie genannt [1]. Fehlende Signale eines amputierten Körperteils werden im Gehirn fälsch- licherweise mit Schmerzen ersetzt. Bei Phantomschmerzen werden einer- seits Therapieansätze der neuropathi- schen Schmerztherapie übernommen, andererseits werden mittels intensiver Spiegeltherapie und speziellen Druck- punkten die Hirnareale neu aktiviert, um Schmerzen zu reduzieren. In der Schweiz ist hier insbesondere das St. Galler Spiegeltherapie-Protokoll zu er- wähnen [8]. Die transkutane elektrische Ner- venstimulation (TENS) reizt die sen- siblen Nervenendigungen in der Haut. In Rückenmark und Gehirn werden da- durch schmerzlindernde Substanzen freigesetzt [24]. TENS kann, nach einer sorgfältigen Einführung von Patienten selbst angewendet werden. Ablauforganisatorische Faktoren zur Schmerzreduktion Der Verbandwechsel wird von vielen Patienten als der schmerzintensivs- te Zeitpunkt gewertet [25]. Der Zeit- punkt eines Verbandwechsels kann die Schmerzhaftigkeit beeinflussen. Schmerzen werden nicht zu allen Ta- geszeiten als gleich stark empfunden. Aus der Literatur der Chronobiologie und Chrono-Pharmakologie lässt sich schließen, dass schmerzhafte Interven- tionen am frühen Nachmittag durchge- führt werden sollten [19]. Der Zeitpunkt eines Verbandwechsels sollte zudem so geplant werden, dass die verabreichten Schmerzmedikamente ihre volle Wir- kung entfalten. Wunden sollten nicht unnötig lange unbedeckt bleiben. Vor allem oberflächliche Wunden sind ex- trem schmerzhaft, wenn sie austrock- nen. Eine ruhige, störungsfreie Atmo- sphäre und das Entfernen/Wechseln des Verbandes ohne Hektik reduziert die Schmerzsensibilität von Patienten. Vor dem Verbandwechsel sollte der ent- spannten Lage des Patienten einen ho- hen Stellenwert beigemessen werden. Patienten sollen eine bequeme Körper- position einnehmen können, nicht frie- ren oder sich ausgestellt fühlen. Wich- tig ist, dass Patienten die Kontrolle über das Geschehen behalten. Dies bedeutet sowohl verbale als auch taktile Informa- tionen, mit Initialberührungen bevor die Wunde oder die betreffende Wund- umgebung berührt wird. Hilfreich kann es sein, wenn Patienten den Verband selber wegnehmen, wenn nach Abspra- chen Pausen gemacht werden und Wun- den nicht unnötig berührt werden. Die Anwesenheit von Angehörigen kann sowohl unterstützen als auch belasten. Der wiederholte Verbandwechsel durch dieselbe Person bietet die Möglichkeit Vertrauen aufzubauen und von profes- sioneller Seite her sich schmerzintensi- ve Stellen merken zu können. Äußerun- gen von Patienten, dass sie Professio- nelle als ruppig oder unsensibel emp- finden, sollten ernst genommen und reflektiert werden. Falsch angelegte Verbände oder Bandagen können fol- gereichen Schaden anrichten und müs- sen jederzeit entfernt werden. Wundmaterialien Wundmaterialien sind so zu wählen, dass sie die Wunde nicht austrock- nen und nicht mit der Wunde oder dem Wundrand verkleben. Moderne Wundmaterialien bieten viele Möglich- keiten Schmerzen zu reduzieren. Aller- dings können Okklusivverbände durch die Veränderung des pH-Wertes auch Wundschmerzen auslösen. Hier hilft, die Intervalle der ersten Verbandwech- sel kurz zu halten. Adhäsive Verbände können zu Hautschäden führen. Ok- klusivverbände bergen das Potential zur Mazeration und Reizung der Haut und können dadurch Schmerzen verur- sachen. Topische Schmerzmittel, Algi- nate, Carboxymethylcellulose, Honig- präparate und Wundgele können initial brennende Wundschmerzen auslösen. Die erwähnten Wundauflagen bilden jedoch ein Gel der Schmerzen redu- ziert. Der anfängliche Schmerz lässt in der Regel bei Wundauflagen nach ca. 20 Minuten nach. Darüber informierte Patienten können diesen Schmerz ein- ordnen und meist tolerieren. Die beiden erstgenannten Wundauflagen können auch wenig befeuchtet werden, um den Schmerz zu reduzieren. Wundreinigung Wundreinigung kann chirurgisch/ scharf, autolytisch, enzymatisch, bio- chirurgisch oder mechanisch durch- geführt werden. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile in Bezug auf den Wundschmerz. Generell kann gesagt werden, dass die autolytische Wund- reinigung sowohl die Langsamste als

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