Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

SAfW Wundkompendium - 68 Wundrand und Wundumgebung

68 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Wundumgebung Wundrand und Wundumgebung S. Läuchli, M. Signer, C. Keller-Preisig | Einführung Die Behandlung des Wundrandes und der Wundumgebung leistet einen wich- tigen Beitrag zum Wohlbefinden des Pa- tienten und zur Abheilung der Wunde. Sowohl eine übermäßige Feuchtigkeit in der Wundumgebung als auch eine Austrocknung der Haut um die Wunde können verschiedene Wundheilungs- prozesse verzögern. Zudem kommen verschiedene Hautkrankheiten beson- ders häufig oder mit einer speziellen Ausprägungsform in der Wundumge- bung vor. Diese sollten von den Wund- behandelnden erkannt werden, um eine entsprechende Behandlung einzuleiten. | Definitionen Mit der Wundumgebung sind Hautarea- le gemeint, die direkt an den Wund- rand grenzen. Der Wundrand ist ein linienförmiger epithelialisierter Über- gangsbereich zwischen Wundgrund und Wundumgebung. Der Wundgrund ist die gesamte Wundfläche, die nicht von Epithel bedeckt ist [1]. | Feuchtigkeitsbalance von Wundrand und Wundumgebung Während der Epithelialisierungsphase einer chronischen Wunde deckt sich diese mit einem neugebildeten Epithel aus Keratinozyten. Bei einer Wunde, welche tiefer reicht als die Dermis, mi- grieren diese Keratinozyten vom Rand- bereich in die Wunde; nur bei ober- flächlichen Wunden findet die Epithe- lialisierung auch von erhaltenen Teilen der Basalmembran und den Haarfolli- keln aus statt. Für die Keratinozyten- migration braucht es eine ausreichen- de Feuchtigkeit, genügende Sauer- stoffspannung sowie eine Stimulation durch Zytokine und Wachstumsfakto- ren. Die ursprünglichen Experimen- te von Winter at al [2], auf denen das ganze Paradigma der feuchten Wund- behandlung begründet wurde, zeig- ten in erster Linie, dass die Epithelia- lisierung einer Wunde in einem aus- reichend feuchten, okklusiven Milieu rascher stattfindet. Die Epithelialisie- rung unter einer trockenen Kruste ist deutlich verzögert. Die migrierenden Keratinozyten benötigen, um ihren Weg zu bahnen, auch Proteasen des Wund- sekrets. Verschiedene weitere Arbei- ten, welche die Grundsätze der feuchten Wundbehandlung unterstützen, haben wiederum bestätigt, dass ein feuchtes Milieu vor allem für die Keratinozyten- migration wesentlich ist: eine feuch- te Umgebung führt zu weniger inten- siver und weniger langen inflamma- torischen Phase [3], einer schnelleren Keratinozytenproliferation und -mig- ration [4] sowie einer früheren Kera- tinozytendifferenzierung, welche zu einer schnelleren Wiederherstellung der Hautbarrierefunktion führt [5]. Aus diesen Feststellungen kann geschlos- sen werden, dass ein ausgetrockneter Wundrand die Wundheilung negativ be- einflusst. Zudem führt eine Austrock- nung des Wundrandes zu einer geschä- digten Hautbarriere-Funktion, welche wiederum das Auftreten von verschie- denen Hautkrankheiten begünstigen kann, insbesondere des allergischen Kontaktekzems [siehe unten). | Mazeration Unter Mazeration wird die Aufwei- chung eines Gewebes verstanden, die bei längerem Kontakt bzw. bei der Durchtränkung mit einer Flüssigkeit entsteht. In der Wundumgebung zeigt sich Mazeration als weißliche schmie- rige Oberfläche, welche durch ein Auf- quellen des Stratum corneum (Horn- schicht) der Epidermis entsteht. Gesun- de Haut schützt sich vor schädigenden äußeren Einflüssen durch Ihren Hydro- lipidfilm, welcher aus Lipiden der Ke- ratinozyten des Stratum corneum so- wie Sebum-Lipiden aus den Talgdrüsen besteht. Eine länger dauernde Aufwei- chung durch übermäßigen Feuchtig- keitskontakt führt zu einer Schädigung dieses Hydrolipidfilms und damit ver- mindertem Schutz durch die Hautbar- riere. Im Bereich des Wundrandes und der Wundumgebung kann ein übermä- ßiges Wundexsudat zu einer Mazera- tion führen. Durch den Proteasegehalt des Wundsekrets, hauptsächlich von Matrix-Metalloproteinasen, wird frisch gebildetes Epithel wieder angedaut und somit die Epithelialisierung verzögert. Zudem kann eine übermäßige Feuch- tigkeit im Bereich der Wundumgebung, insbesondere in Kombination mit einer okklusiven Wundbehandlung, bei Pa- tienten mit venösen Beinulzera und ausgedehnter Atrophie blanche in der Wundumgebung zu einem zusätzlichen Gewebeuntergang führen. Durch den Proteasegehalt des Wundexsudats wird die Hautbarrierefunktion der Wundum- gebung geschädigt. | Stauungsekzem Häufig finden sich bei Patienten mit chronischen Wunden an den Unter- schenkeln ekzematöse Veränderun- gen im Bereich der Wundumgebung. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um ein Stauungsekzem. Die- ses ist eine der Hauterscheinungen bei chronischer venöser Insuffizienz und kann schon in frühen Stadien der CVI vorkommen. Die Pathogenese des Stau- ungsekzems ist multifaktoriell: Durch ein Festhaften von Leukozyten an den Dr. Severin Läuchli Oberarzt, Dermatologische KLinik Universitätsspital, CH-8091 Zürich E-Mail: severin.laeuchli@usz.ch

Seitenübersicht