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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 65 Wundinfektionen Teicoplanin (Targocid® ). Linezolid (Zyvoxid® ), aus der neuen Antibioti- kaklasse der Oxazolidone, gilt als Al- ternative. In Kombinationstherapien können auch Rifampicin, Fusidinsäu- re oder Cotrimoxazol verwendet wer- den [56]. Neuere Chinolone, wie Le- vofloxacin oder Mofloxacin, werden als Monotherapien oder in Kombina- tion verwendet. • Bei nasaler MRSA Kolonisation ist Mupirocin (Bactroban® Salbe) Mittel der Wahl. In einer Meta-Analyse hat sich die Substanz als effektivstes To- pikum zur MRSA Eradikation erwie- sen [1]. Mupirocin Salbe wird wäh- rend 5 Tagen dreimal täglich in beide Nasenhöhlen appliziert. • Zur Behandlung der Hautkolonisation wird z. B. eine Chlorhexidinlösung (z. B. Hibiscrub® ) empfohlen, welche während 5-10 Tagen bis dreimal täg- lich angewendet wird. Als Standardregime zur MRSA-Er- adikation kann eine Kombination mit Mupirocin Nasensalbe, Chlorhexidin Waschlösung und Chlorhexidine Mund- spüllösung über 5 Tage empfohlen wer- den, was in dieser Kombination in einer Studie in einem Drittel der MRSA-Kolo- nisierten zur vollständigen Eradikation führte. Die restlichen Patienten benö- tigten zur MRSA Abheilung ein zusätz- liches orales Antibiotikum [15]. Schlussfolgerung Für die meisten Therapien kritisch ko- lonisierter oder infizierter Wunden fehlt ein Nachweis der Wirksamkeit in kon- trollierten Studien. Dennoch ist im kli- nischen Alltag der Einsatz von antimik- robiellen Topika nicht wegdenkbar. Die Durchführung von Behandlungen muss sich deshalb an Erfahrungswerten oder Expertenmeinungen orientieren. Er- staunlich ist daher, wie gegensätzlich solche Meinungen vertreten werden und noch mehr mag erstaunen, mit wel- cher Vehemenz und mit welchem Dog- matismus pro oder contra bestimmte Behandlungen polemisiert werden, ob- schon weder für die Wirksamkeit noch die Nicht-Wirksamkeit eine wirkliche Evidenz besteht. Levamisol (einem Anthelmintikum!) gegen Plazebo. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es keine ausrei- chende Evidenz gibt, systemische Anti- biotika routinemäßig bei venösen Ulze- ra einzusetzen [66]. Dass Antibiotika im klinischen Alltag trotzdem sicher häufiger bei chronischen Wunden ein- gesetzt werden, zeigen verschiedene Untersuchungen [41]: So wurde auf- gezeigt, dass 60 % der Patienten mit chronischen Wunden innerhalb eines halben Jahres mindestens eine syste- mische antibiotische Therapie erhalten haben [87]. Dass der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika problematisch sein kann, zeigt sich darin, dass in der Population der Wundpatienten Resis- tenzen gegen Bakterien zunehmen [41]. In den USA wurden die beiden ersten Fälle von Vancomycin-resistenten S. aureus (VRSA) denn auch bei Patien- ten mit chronischen Wunden nachge- wiesen [41]. Deshalb sollte schon aus Gründen einer möglichen Resistenz- entwicklung bei kritisch kolonisierten Wunden immer zuerst topischen Anti- septika gegenüber systemischen Anti- biotika der Vorzug gegeben werden. Vorgehen bei Nachweis von MRSA in chronischen Wun- den Der Nachweis von MRSA in einer Wun- de zwingt zu speziellen Hygienemaß- nahmen im Umgang mit dem Patien- ten. Dafür existieren allgemeine, meist auch Krankenhaus-interne Richtlinien [20], die sich in Deutschland an der RKI-Richtlinie für Krankenhaushygie- ne und Infektionsprävention orientie- ren. Die hygienischen Verhaltensmaß- nahmen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: • Allgemein gehören Händedesinfek- tion und Isolierung des Patienten zu den wichtigsten Hygienemaßnahmen bei MRSA [56], • Bei ambulanten Patienten, die eine Arztpraxis oder eine Wundambulanz aufsuchen, sollte die Behandlung in einem gesonderten Raum erfolgen, in welchem anschließend eine flä- chendeckende Desinfektion durch- geführt wird, • Beim Umgang mit dem Patienten müssen ein Mund-Nasenschutz sowie ein Schutzkittel getragen werden, bei nässenden Wunden auch eine Plas- tikschürze, • Eine Händedesinfektion ist auch nach Tragen der Schutzhandschuhe erfor- derlich, • Auch der MRSA besiedelte Patient muss eine strikte Händedesinfektion durchführen, • Pflegeutensilien, Geräte und Textilien müssen nach der Behandlung nach speziellen Vorschriften desinfiziert bzw. desinfizierend gewaschen wer- den, • Patienten sollten Gemeinschaftsein- richtungen wie Bäder nicht zu benut- zen, • Stationäre Patienten mit MRSA-be- siedelten Wunden sollten in einem Einzelzimmer untergebracht werden, • Täglich sollte eine Flächendesinfek- tion des Zimmers durchgeführt wer- den. Der Nachweis einer MRSA-Wundbesie- delung erfordert aber auch therapeuti- sche Maßnahmen. Zwar scheint sich die MRSA Kolonisation auf das Wund- milieu und die Wundheilung nicht an- ders auszuwirken als eine MSSA-Besie- delung [21], jedoch stellt eine MRSA- Kolonisation einen relevanten Risiko- faktor dar. So haben Bakteriämien mit MRSA eine erhöhte Mortalität gegen- über MSSA. Zudem ist bei Übergang in eine Infektion die Prognose schlech- ter und die Krankenhausverweildauer länger [56]. Vor allem aber zwingen die psychisch belastenden hygienischen Maßnahmen eine Therapie mit dem Ziel, die akterien rasch und vollstän- dig zu eradizieren. • Bei MRSA Besiedelung einer chroni- schen Wunde gelten für die topische Therapie Polihexanid und Octenidin als Therapeutika der ersten Wahl; Sil- ber-haltige Wundauflagen haben sich in Kasuistiken bewährt [21]. Mupiro- cin sollte wegen der Gefahr der Resis- tenzbildung nicht in Wunden verwen- det werden. • Eine systemische antibiotische Thera- pie ist erst bei Vorliegen eines Wund- infekts indiziert [36]. Dabei wird auf Reserveantibiotika zurückgegriffen. Erste Wahl sind die Glykopeptidanti- biotika Vancomycin (Vancocin® ) oder

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