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SAfW Wundkompendium

64 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Wundinfektionen • Chinolone, Ciprofloxacin (Ciproxin® ) • Clindamycin, (Dalacin® ) • Metronidazol, (Flagyl® ) • Sulfamethoxazol-Trimethoprim (Bac- trim) Antibiotika sind unterschiedlich wirk- sam gegen verschiedene Keime und wirken entweder bakteriostatisch oder bakterizid (s. oben). Grundsätzlich soll- ten systemische Antibiotika resistenz- gerecht eingesetzt werden, das heißt in Kenntnis nachgewiesener Keime und nach Austestung eines Antibiogramms. Da bei Beginn der Behandlung eines In- fekts die ursächlichen Mikroben meist aber (noch) nicht bekannt sind, muss häufig empirisch, d. h. unter Annah- me bestimmter Keime, eine Behand- lung eingeleitet werden. Für die syste- mische antibiotische Behandlung infi- zierter Wunden existiert eine Vielzahl von Empfehlungen [41]. Beim diabeti- schen Fuß Syndrom (DFS) werden sys- temische Antibiotika teils schon bei nicht-infizierter Wunde angewendet [28], bei tiefer reichendem Infekt wer- den beim DFS häufig empirische in- travenöse Antibiotika-Kombinations- therapien empfohlen [88]. Bei Patien- ten mit Ulcus cruris wird die Meinung vertreten, dass systemische Antibioti- ka nur verwendet werden sollten, wenn ein klinischer (symptomatischer) Infekt vorliegt [77]. Die praktische Erfahrung lehrt jedoch, dass der Einsatz von syste- mischen Antibiotika durchaus auch bei kritisch kolonisierten Wunden indiziert sein kann, wenn mit anderen antimik- robiellen Maßnahmen keine Besserung erreicht wird. Diese Ansicht wird zu- mindest durch eine Studie unterstützt, bei welcher bei Patienten mit Pseudo- monas-kolonisierten chronischen Ul- zera eine Lokaltherapie kombiniert mit Ciprofloxacin über 3 Monate mit aus- schließlicher Lokaltherapie verglichen wurde. In der Ciprofloxacin Gruppe heilten 3/8 Ulzera ab, gegenüber 0/18 in der Kontrollgruppe [91]. Die Behand- lung venöser Ulzera mit systemischen Antibiotika wurde in der Meta-Analyse von O’Meara untersucht [66]. Die Ana- lyse erfasst 5 randomisierte kontrol- lierte Studien mit Anwendung von sys- temischen Antibiotika. Nur eine Studie zeigt einen signifikanten Vorteil für die Abheilung, nämlich der Vergleich von (bakteriostatische Wirkung) oder die Bakterien direkt abtöten (bakterizide Wirkung). Als Antibiotika wurden ur- sprünglich nur antibakterielle Wirkstof- fe bezeichnet, die von Pilzen oder Bak- terien natürlich gebildet werden und das Wachstum anderer Mikroorganis- men hemmen oder abtöten. Als Proto- typ gilt das Penizillin. Heute werden auch Medikamente mit antimikrobieller Wirkung als Antibiotika bezeichnet, die in der Natur nicht vorkommen und syn- thetisch oder gentechnisch gewonnen werden. Der Begriff Antibiotika schließt damit auch Substanzen wie die Sulfona- mide ein, die als chemische Substanzen die ersten effektiven Antibiotika waren und ursprünglich als Chemotherapeuti- ka bezeichnet wurden. Antibiotika kön- nen systemisch (s. u.) oder topisch ver- wendet werden. In Crèmes und Gazen sind in der Schweiz folgende antibioti- sche Substanzen als Topika verfügbar: • Mupirocin (Bactroban® Salbe) ist wirksam gegen Gram-positive Kei- me [6], v .a. auch gegen MRSA [30]. Mupirocin-Salbe sollte ausschließlich bei nasaler MRSA-Kolonisation ver- wendet werden, um nicht Resistenz- bildungen zu begünstigen, •Fusidinsäure (Fucidin® Salbe, Gaze) wirkt vor allem gegen Staphylokok- ken [30], • Neomycin-Sulfat ist wirksam gegen Gram-negative Bakterien [30], • Bacitracin (z. B in Nebacetin® Salbe) wirkt gegen Gram-positive Organis- men [30], • Metronidazol (Perilox ® , Rosalox® Crème) ist gegen Anaerobier wirk- sam [30], • Sulfadiazin kommt zusammen mit Sil- ber in Silbersulfadiazin-haltigen Prä- paraten vor (s. o.). Topische Antibiotika werden vor allem inderDermatologie,Otorhinolaryngolo- gieundOphthalmologiezurBehandlung von Infektionen von Haut und Schleim- häuten eingesetzt. Bei Ulcera cruris wurde die Anwendung von Mupirocin kontrolliert in einer Studie untersucht [60]. Die Cochrane Meta-Analyse von O’Meara 2008 spricht der Substanz eine ausreichend dokumentierte Wirksam- keit ab [66]. Für die übrigen aufgeführ- ten Wirkstoffe existieren keine kontrol- lierten Studien zur Wundbehandlung. Das bereits erwähnte Konsensuspapier zur Wundantiseptik stufte 2004 topi- sche Antibiotika zur Wundbehandlung als obsolet oder entbehrlich ein [50]. Aufgeführt werden als Gründe ein zu schmales Wirkungsspektrum, keine ausreichende und nur bakteriostati- sche Wirksamkeit, die Gefahr der Aus- bildung von Kreuzresistenzen, eine un- genügende Konzentration am Wirkort, ein zytotoxisches Potenzial und die Ge- fahr der Sensibilisierung mit Auftreten von Kontaktallergien. Deshalb wird im deutschen Sprachraum von vielen Ex- perten vom Einsatz topischer Antibio- tika in der Wundbehandlung strikt ab- geraten. Tatsächlich sind aber die auf- geführten Gründe zur Ablehnung nicht in kontrollierten klinischen Studien be- legt. So findet sich in der angelsächsi- schen Literatur auch die entgegenge- setzte Meinung, nämlich dass topische Antibiotika am Wirkort unabhängig von der Gefäßversorgung eine hohe Wirk- konzentration entfalten können [57] und auch nicht die Nebenwirkungen systemischer Antibiotika aufweisen [57, 81]. Kontaktallergien z. B. auf Neomy- cin und Bacitracin werden sehr häufig [73] beobachtet, weswegen Topika, die diese Wirkstoffe enthalten, für eine län- gere Anwendung vermieden werden sollten [23]. Auch wenn man aktuell to- pische Antibiotika in der Wundbehand- lung im deutschsprachigen Raum als entbehrlich betrachtet, soll darauf hin- gewiesen werden, dass in angelsächsi- schen Ländern topische Antibiotika für die Behandlung kritischer kolonisierter Wunden sogar empfohlen werden [30]. Systemische Antibiotika Systemische Antibiotika lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen: Peni- zilline, Cephalosporine, Aminoglykosi- de und Chinolone. Weitere antibiotische Substanzen sind Clindamycin, Metro- nidazol und Trimethoprim [66]. In der SchweizsinddiefolgendenMedikamen- te typische Vertreter dieser Gruppen: • Penicilline: Amoxicillin/Clavulansäu- re (Augmentin® ), Pseudomonas-wirk- sam: Ticarcillin (Timenten® ) • Cephalosporine, Cefuroxim (Zinat® ), Pseudomonas-wirksam: Ceftazidim (Fortam ® ) • Aminoglyksoide , Gentamicin (Gara- mycin® )

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