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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 63 Wundinfektionen • In einem Polyethylene Mesh (z. B. Ac- ticoat® , Smith&Nephews) • In einer Hydrofaser (z. B. Aquacel Ag® , Convatec) • In einem Hydrokolloid (z. B. Contreet H® , Coloplast) • In einem Schaumstoff (z. B. Con- treet® , Coloplast) • In einem Alginat (z. B. Silvercel® , Sys- tagenix) • In einem Alginat mit Schaumstoff (z. B. Askina Calgitrol® , B. Braun) Die klinische Wirksamkeit von silber- haltigen Topika, speziell von silberhal- tigen Wundauflagen, wurde in einer Cochrane Meta-Analyse analysiert [93]. Den Kriterien der Evidenz-basierten Medizin entsprachen in dieser Unter- suchung bis 2006 gerade drei randomi- sierte kontrollierte Studien, in welchen zwei Wundauflagen, nämlich Contreet® [44, 64] und Silvercel® [59], untersucht worden sind. Alle drei Studien zeig- ten im Vergleich zu einem Standard- Schaumstoff, Standard-Alginat oder zu „Best local Practice“ nach 4 Wochen keine signifikante Zunahme der kom- pletten Wundabheilung. Hingegen fand sich eine signifikante Verkleinerung der Wundfläche [44, 64]. Die Analyse kommt zum Schluss, dass keine ausrei- chende Evidenz besteht, um den Ein- satz von silberhaltigen Wundauflagen zur Behandlung infizierter oder kon- taminierter Wunden zu empfehlen. Im klinischen Alltag haben sich silberhal- tige Wundauflagen aber trotz fehlender Evidenz bei vielen Anwendern sehr gut bewährt. Sicher empfiehlt es sich, sil- berhaltige Auflagen nur bei relevanter bakterieller Kolonisation einer Wunde zu verwenden und nicht routinemäßig für alle Wunden. Wenn silberhaltige Auflagen verwendet werden, sollte zu- dem eine Wundauflage gewählt wer- den, die dem Wundstadium und dem Grad der Exsudation der Wunde ent- spricht. Trockene Wunden sind für Sil- berauflagen ungeeignet oder müssen befeuchtet werden, da die Silberionen ihre Aktivität nur in feuchtem Milieu entfalten können. Topische Antibiotika Antibiotika sind Wirksubstanzen, die direkt auf Bakterien einwirken, in- dem sie deren Vermehrung hemmen det wird auch heute Silbersulfadiazin, ein Komplex aus Silber und Sulfadiazin, einem Sulfonamid. Kommerziell erhält- lich sind folgende Silbersulfadiazin-ent- haltende Topika: • Flammazine® Crème, enthaltend 10 mg Silbersulfadiazin pro 1 g Crème; • Ialugen plus® als Crème, enthaltend 10 mg Silbersulfadiazin und 2 mg Na- triumhyaluronat pro 1 g Crème, sowie als Gaze, bestehend aus einem Tuch mit 4 g Crème mit 10 mg Silbersulfa- diazin und 0.5 mg Natriumhyaluronat pro 1 g Crème. Silbersulfadiazin-Crèmes werden in der Regel täglich als 2-3mm dicke Schicht auf die Wunde aufgetragen und mit Gaze abgedeckt. Vor der Aera der mo- dernen Wundauflagen wurden Silber- sulfadiazin-Salbenverbände vielerorts jahrelang erfolgreich für die Behand- lung chronischer Wunden verwendet. Dabei fehlt allerdings bis heute ein Nachweis der Wirksamkeit in größe- ren Studien, welche den Ansprüchen der Evidenzbasierten Medizin genü- gen würden. Heute werden topische Silbersulfadiazin Formulierungen vor allem bei Verbrennungswunden wei- terhin als Mittel der Wahl betrachtet, was sich in bis heute über 400 Arti- keln niedergeschlagen hat. Eine Meta- Analyse dieser Artikel stellt aber auch für Verbrennungswunden eine ausrei- chend dokumentierte Evidenz der kli- nischen Wirksamkeit in Frage [42]. Ein 2004 erschienenes Konsensuspapier zur Wundantiseptik stuft Silbersulfa- diazin bei den obsoleten und entbehrli- chen Substanzen ein [50]. Vorgehalten wird der Substanz eine nicht ausrei- chende Wirksamkeit bei höherer Keim- zahl, eine Zytotoxizität, die die Wund- heilung beeinträchtigen soll, eine Er- schwerung der Wundbeurteilung, zu- sätzliche Mazerationen und häufigere Verbandwechsel. Die Vorbehalte stüt- zen sich allerdings nicht auf klinische Studien, sondern entsprechen Exper- tenmeinungen. In den letzten Jahren wird Silber vor allem in Wundauflagen eingearbeitet kommerziell angeboten. Silber ist da- bei in folgenden Wundauflagen einge- arbeitet: • In einem Aktivkohlegewirk (z. B. Ac- tisorb® , Systagenix) spektiven randomisierten Studien auf- gezeigt gegenüber der Applikation von Silbersulfadiazin [85], Kartoffelscha- len [83], Amnion-Membran [82] und Polyurethan Film (OpSite-Folien) [84]. Eine systematische Übersichtsarbeit zur Anwendung von Honig in der Wund- behandlung kommt aber zum Schluss, dass die Qualität der Studien zu Honig schlecht sei und nicht rechtigten, dass Honig in der Behandlung von ober- flächlichen Wunden und Verbrennun- gen hilfreich sei [61]. Eine neuere ran- domisierte kontrollierte Studie konnte zudem keinen Vorteil in der Abheilung (nicht-infizierter) venöser Ulzera durch die Anwendung einer Honig-impräg- nierten Gaze bei aufzeigen [45]. Ein Problem für den routinemäßi- gen therapeutischen Gebrauch von Na- tur-Honig ist sicher das Fehlen klarer standardisierter Anwendungen und Präparate. In der Schweiz beispielswei- se ist Honig in L-Mesitran Wundsalbe (Absorin) kommerziell erhältlich. Die Salbe enthält neben Honig auch Zink- oxid, Tocopherol, Ascorbinsäure, La- nolin, Sonnenblumenöl, Ringelblume, Aloe vera und Lebertran. Zumindest die letztgenannten Substanzen lassen auf ein beträchliches Sensibilisierungs- potential schließen. Der Nutzen der An- wendung wurde bisher nur in Fallbei- spielen aufgezeigt. Silber Silber zeigt eine gute antimikrobielle Wirksamkeit gegen Aerobier, Anaero- bier, Gram-negative und Gram-positi- ve Bakterien sowie Pilze. Zwar exis- tieren einzelne Berichte über Resis- tenzen [68], klinisch sind Resistenzen aber (noch) nicht ein relevantes Prob- lem. Die Wirksamkeit des Silbers ist ab- hängig von der Menge aktiver Silber-Io- nen. Diese können als Ionen freigesetzt werden oder an ein Vehikel wie z. B. Kohlefasern gebunden werden. Heu- te wird zudem nanokristallines Silber (sog. Ag-0) von dem „normalen“ Silber (Ag+ ) unterschieden. Silber wird in der Wundbehandlung seit mehreren Jahr- zehnten verwendet. Dabei kamen in den letzten Jahrzehnten verschiedene Ap- plikationen wie Silbernitrat-Lösung, Silbersufadiazin-Salben und -Crèmes oder Silberfolien zur Anwendung. In der Wundbehandlung breit angewen-

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