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SAfW Wundkompendium

62 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Wundinfektionen von Polihexanid. Die Substanz wird nicht resorbiert. In einer neueren ran- domisierten doppelblinden kontrollier- ten Studie mit venösen Ulzera konnte gezeigt werden, dass auch bei 12-wö- chiger Applikation keine Störung der Wundheilung eintritt [92]. Allerdings sind 4 Fälle von penetrie- renden Hand-Wunden beschrieben, bei welchen nach Applikation von Octeni- sept aseptische Nekrosen aufgetreten sind [31]. Essigsäure Essigsäure wird als 1 %-ige Lösung angewendet. Die Lösung wird mittels feuchten Umschlags für 3–5 Minuten auf die Wunde gebracht. Bei starkem Brennen kann die Lösung noch weiter verdünnt werden. Für Essigsäure wurde eine gute Wirksamkeit in der Behand- lung von Pseudomonas-besiedelten chronischen Wunden aufgezeigt [69]. In einer kontrollierten Studie zeigte sich mit lokal applizierter Essigsäure eine bessere Wirksamkeit in Pseudomonas- besiedelten Ulcera cruris als mit Chlor- hexidin [58]. Essigsäure ist in Deutsch- land nicht für die Wundbehandlung zu- gelassen. In der Schweiz wird Essig- säure-Lösung aber seit Jahrzehnten in dermatologischen Kliniken erfolgreich in der Wundbehandlung angewendet. In der eigenen Erfahrung stellt Essig- säure das einzige in der Wirksamkeit tatsächlich durchschlagende Topikum zur Behandlung von Pseudomonas-be- siedelten Wunden dar. Honig Honig enthält ca. 35 % Glucose, 40 % Fructose, 5 % Sucrose, 20 % Wasser sowie Aminosäuren, Vitamine, Mine- ralien und Enzyme [75]. Unbestritten ist eine antimikrobielle Wirkung von Honig, die in mehreren Untersuchun- gen aufgezeigt werden konnte (Abb. 8 und 9). So ließ sich unter anderem eine antimikrobielle Wirkung gegenüber S. aureus aus Wundsekret [18] sowie gegen multiresistente Pseudomona- den und Klebsiellen [46] nachweisen. Honig soll aber auch die Wundheilung beschleunigen, was im Tiermodell [9] aufgezeigt wurde und auch in einer Rei- he von Studien bei Patienten [61]. In Verbrennungswunden wurde eine ra- schere Abheilung unter Honig in pro- ge Wundpüllösung und ein Wundrei- nigungsgel angeboten, die beide 0,1 % Polihexanid enthalten. Prontosan Wundspüllösung enthält zudem 0,1 % Undecylenamidopropyl-betain. Dabei handelt es sich um eine oberflächen- aktive Substanz, ein sogenanntes Ten- sid, das die Wirksamkeit von Polihe- xanid verstärkt, in dem es den Biofilm abbauen bzw. auflösen soll [63]. Poli- hexanidlösung kann bei beim Verband- wechsel als feuchter Umschlag über 10-15 Minuten auf die Wunde gebracht werden. Sowohl die Lösung als auch der Gel können zusammen mit modernen Wundauflagen wie z. B. Hydrofasern, Alginate oder Schaumstoffe aufgetra- gen werden [50]. Über die Frequenz der Applikation und die Anwendungs- dauer existiert keine verbindliche Emp- fehlung. Polihexanid wirkt bakterizid sowohl gegen Gram-positive und -ne- gative Bakterien, u. a. gegen Staphylo- kokken, Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa und E. coli. Polihexanid hat auch fungizide Eigenschaften [50]. Der Wirkungseintritt erfolgt eher langsam. Im Tiermodell zeigte sich ein rasche- rer Wundverschluss mit Polyhexanid gegenüber Octanisept und Placebo [51]. Der Vorteil der Substanz ist, dass sie kaum zytotoxisch für den Organismus und auch in vitro nicht wundheilungs- hemmend ist. Polihexanid wurde daher initial vor allem in der orthopädischen Chirurgie zur aseptischen Spülung von Knocheninfekten angewendet. Ein praktischer Vorteil ist zudem die Mög- lichkeit der kombinierten Anwendung mit modernen Wundauflagen [50]. In der Schweiz ist Polihexanid zu einem Erstwahl-Antiseptikum bei der Behand- lung kritisch kolonisierter Wunden ge- worden. Außer Anwendungsbeobach- tungen existieren aber bis heute keine randomisierten kontrollierten Studien, die eine Evidenz der Wirksamkeit für Polihexanid bei kritisch kolonisierten Wunden nachgewiesen hätten oder die den Vorteil einer bestimmten Anwen- dungsform belegen würden. Trotz guter Verträglichkeit des Wirkstoffes wurde bei der Wundbehandlung mit Polihe- xanid auch bereits eine anaphylakti- sche Reaktion beschrieben [67]. In der Schwangerschaft und bei Kleinkindern und Säuglingen wird Polihexanid im übrigen nicht empfohlen [50]. Octenidin (Octenisept® , Octenillin® ) Octenidin (Octenidinhydrochlorid, ATC-Code D08AX99 ) ist ein Breitband- Antiseptikum zur Anwendung auf Haut, Schleimhäuten und Wunden. In der Schweiz wird Octenidin von der Firma Schülke für die Wundbehandlung ange- boten als wässriges Haut- und Schleim- hautantiseptikum Octenisept® , als Oc- tenilin® -Wundspüllösung (mit dem In- haltsstoff Ethylhexylglycerin zur Ver- ringerung der Oberflächenspannung) und als Octenilin® -Wundgel (in einem Hydrogel). Octenidindihydrochlorid wirkt bak- terizid sowohl gegen grampositive wie -negative Bakterien, viruzid gegen li- pophile Viren wie die Herpes-simplex- Viren und das Hepatitis-B-Virus. Au- ßerdem wirkt es fungizid, nicht aller- dings gegen Sporen. Die Wirkung tritt schnell, nach zirka einer Minute ein und hält lange an. Sie beruht auf der Wech- selwirkung des Kations mit den negati- ven Ladungen von Zellwand- und Zell- membranbestandteilen der Mikroorga- nismen. Resistenzen sind bisher nicht bekannt. Die in vitro gemessene antimikro- bielle Wirkung gegen verschieden Bak- terien und Pilze (inklusive MRSA, Van- comycin resistente Enterokokken und Candida albicans) entspricht bei län- gerer Kontaktzeit derjenigen von Poli- hexanid und ist deutlich besser als die- jenige von Chlorhexidin, Triclosan und PVP-Iod [48]. Octenidin hat aber einen viel rascheren Wirkungseintritt als Po- lihexanid, und erfüllt bereits nach einer Minute die Kriterien der Antisepsis. Im klinischen Alltag wird für Octenisept- Umschläge eine Kontaktzeit von 3-5 Mi- nuten empfohlen. Die kurze Kontaktzeit macht Octenidin für die Wundbehand- lung attraktiver als Polyhexanid. Octe- nisept wird deshalb vielerorts zum als Antiseptikum bevorzugt. Die Wirksamkeit von Octenidin in vivo ist in einer prospektiven klinischen Studie mit neoplastischen Wunden do- kumentiert worden. Patienten mit fort- geschrittenen Krebsleiden und kolo- nisierten neoplastischen Ulzera zeig- ten nach 3 Wochen Behandlung eine messbare Verbesserung der Wundver- hältnisse [80]. Die Gewebeverträglichkeit von Oc- tenidin ist vergleichbar mit derjenigen

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