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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 61 Wundinfektionen sung eine signifikant schnellere Ab- heilung zeigte als beim Kontrollulkus [33]. Die Abheilung fiel auch deutlich schneller aus als bei der Anwendung von Silbersulfadiazin und Chlorhexi- dine. PVP-Jod ist auch im hydrosoma- len Wundgel Repithel® (Mundipharma) enthalten. Repithel® [25] besteht aus einem Hydrogel-Gerüst mit Hydroso- men, welche als Begrenzung mehre- re Doppelschichten aus Phospholipi- den enthalten. Bei Verbrennungswun- den konnte mir Repithel eine schnelle- re Abheilung als mit Silbersulfadiazin Crème gezeigt werden [40]. Bei Ulcera curis konnte hingegen mit einem ana- logen liposomalen PVP-Hydrogel kei- ne bessere Abheilung aufgezeigt wer- den [49]. Cadexomer-Jod (Iodosorb® ) ist als Salbe oder Puder erhältlich. In Iodosorb liegt Jod komplexgebunden in einer Stärke-Matrix vor. Nach Ap- plikation auf die Wunde kommt es nach Exsudataufnahme zu einer langsamen Freisetzung („slow release“) von Jod. Eine antimikrobielle Aktivität besteht gegen S. aureus und MRSA, Strepto- kokken, Pseudomonaden sowie Anae- robier [30]. In einer Übersichtsarbeit war keine Wundheilungsstörung nach- weisbar. Die Substanz wurde daher als sicher und wirksam eingestuft [86]. Jod-enthaltende Antiseptika sollten in der offenen Wundbehandlung nicht bei Erkrankungen verwendet werden, bei welchen eine Empfindlichkeit auf Jod besteht, z. B. bei Hyperthyreosen und Dermatitis herpetiformis, Radiojod- behandlung, aber auch in Schwanger- schaft und Stillzeit [30, 50]. Polihexanid (Lavasept® , Prontosan® , …) Polihexanid ist die Kurzbezeich- nung für Polyhexmethylen-Biguanid (PHMB). Polihexanid ist in der Schweiz unter dem Namen Lavasept® als 0,1 und 0,2 %-ige wässrige Lösung kommer- ziell erhältlich. In Lavasept® ist das Ad- ditivum Macrogol (Polyethylenglycol 4000) zugesetzt, das zur Optimierung der Benetzbarkeit der Wundflächen dient, indem es die Oberflächenspan- nung herabsetzt. Das ursprünglich von der Firma Fresenius hergestellte Pro- dukt wird seit 2007 von B. Braun ver- trieben. Von B. Braun wird unter dem Namen Prontosan® auch eine wässri- Antimikrobielle Therapie bei kritisch kolonisierten Wunden Nach erfolgter physikalischer Vermin- derung der Keimzahl sollte eine gezielte antimikrobielle Behandlung erfolgen. Dabei kommen topische Therapeutika zum Einsatz, in erster Linie Antisepti- ka und Silberprodukte, eventuell auch medizinischer Honig und andere Präpa- rationen. Lokale Antibiotika werden u. a. wegen der Gefahr der Resistenzent- wicklung in Europa nicht empfohlen. Je nach Ausmaß der Kolonisation kann ge- legentlich auch eine systemische Anti- biotikatherapie erforderlich sein. Für die wenigsten der genannten antimik- robiellen Therapien ist allerdings eine Wirksamkeit in kontrollierten Studien belegt. Nur für die beiden folgenden Therapiemodalitäten existieren Über- sichtsarbeiten in der Cochrane Data- base of Systematic Reviews: • Antibiotics and antiseptics for ve- nous leg ulcers (O’Meara, aktuali- siert 2008) [66] • Topical silver for treating infected wounds (Vermeulen, aktualisiert 2007) [93] In beiden Reviews findet sich aber we- der für Antibiotika, Antiseptika, noch Silberprodukte eine ausreichend doku- mentierte Evidenz der Wirksamkeit, die den Einsatz der genannten Wirkstof- fe rechtfertigen würde! Am häufigsten werden bei kritisch kolonisierten Wun- den topische Antiseptika und Desinfi- zienzien angewendet. Diese wirken pri- mär toxisch auf die Mikroorganismen. Die Toxizität führt zur Abtötung, Inakti- vierung oder Wachstumshemmung der Keime. Beispiele für Antiseptika, die in der Wundheilung angewendet wer- den, sind Povidon-Jod, Chlorhexidin, Biguanide, Farbstoffe und Essigsäure. Das Problem bei all diesen Substanzen ist, dass sie nicht nur auf Mikroorganis- men, sondern auch auf die Wunde to- xisch wirken können. Antiseptika kön- nen deshalb neben der erwünschten antimikrobiellen Wirkung auch auf die Wundheilung störend einwirken. Die negative Beeinflussung bestimmter Wundtherapeutika kann semiquanti- tativ in Prozent ausgedrückt folgender- maßen angegeben werden [65] : • Farbstoffe (0,5 %): - Gentianaviolett 94 % - Brillantgrün 94 % - Eosin 17 % • Antiseptika: - Povidon-Jod 19 %, - Chloramin 18 % - Silbernitrat 25 % - Chlorhexidin 66 % - Taurolidinlösung gering - Biguanide (z. B. Polihexanid) gering Aufgrund dieser Angaben sollten Farb- stoffe wie Gentianaviolett, aber auch ein Antiseptikum wie Chlorhexidin, nicht topisch auf Wunden appliziert werden. Das Auftragen von Farbstof- fen (in geeigneter Konzentration) kann allenfalls als austrocknende Maßnahme in Einzelfällen bei dermatologischen Krankheitsbildern wie z. B. gram-ne- gative Fußinfektionen erwogen werden. PVP-Jod/Povidon-Jod (z. B. Betadi- ne® , Braunol®, Iodoplex® , …) Das Polymer Polyvinylpyrrolidon, auch bekannt als „PVP“ oder „Polyvidon“, vermag Jod sehr stark zu binden. Der 10 % jodhaltige Komplex „PVP-Jod“ ist gut wasserlöslich, während elemen- tares Jod wasserunlöslich ist. Povidon- Jod ist als Lösung, Tinktur, Salbe oder Gaze verfügbar, die direkt auf die Wun- de appliziert werden. Povidon-Jod hat eine gute Wirkung gegen Gram-positi- ve und -negative Bakterien und wirkt auch fungizid, sporozid und viruzid [50]. Der Wirkungseintritt erfolgt rasch. Povidon-Jod ist für die kurzzeitige An- wendung infizierter Wunden, vor al- lem akuter Wunden, hilfreich [50]. Es gilt allerdings zu beachten, dass sich bei Patienten mit chronischen Wunden häufig Kontaktsensibilisierungen auf PVP-Jod finden, in einer prospektiven Studie in bis zu 20 % der Patienten [32]. Der Einsatz von PVP-Jod bei chroni- schen kritisch kolonisierten Wunden wird weiterhin kontrovers diskutiert. Die Substanz hemmt in vitro die Wund- heilung, in vivo konnte dagegen keine sichere Hemmung der Wundheilung nachgewiesen werden [16]. In einem Review 1999 überwogen Beobachtun- gen mit Verschlechterung der Wund- heilung [52]. Eine später durchge- führte Arbeit zeigte, dass bei Patien- ten mit zwei gleichzeitig vorhandenen nicht-infizierten Ulzera PVP-Jod-Lö-

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