Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

SAfW Wundkompendium

60 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Wundinfektionen wo deshalb mit geringerer Wahrschein- lichkeit Mikroorganismen im Leitungs- wasser zu erwarten sind. Empfohlen wird deshalb eine Wasseraufbereitung durch Filtration oder durch UV, Ultra- schall, Elektrolyse, Aufkochen und ähn- liches (Schwarzkopf A, www.ganders- heimer-modell.de). Will man sich me- dizinisch Evidenz-basiert verhalten, wird man angesichts der Resultate des Cochrane Reviews gegen die Anwen- dung von Leitungswasser zur Wund- reinigung allerdings wenig einwenden können. Wer sich umgekehrt an natio- nalen Richtlinien orientiert, wird ge- mäß Cochrane Review auch nicht falsch handeln, wenn er sterile Lösungen ver- wendet. Die Autoren des Reviews halten nämlich fest, dass es keine sichere Evi- denz gibt, dass das Spülen von Wunden überhaupt die Heilung fördert. Werden sterile Lösungen verwendet, werden für die Wundreinigung isotone Lösungen empfohlen, in erster Linie Ringerlösung oder 0,9 %-ige Kochsalzlösung [7]. Ob sich der Aufwand einer Aufarbeitung von Leitungswasser z. B. durch Filtra- tion lohnt, sei dahingestellt, angesichts der doch eher geringen Kosten steriler Lösungen für die Wundreinigung. Empfohlen wird für die Wundspü- lung auch die Anwendung antisepti- scher Lösungen, z. B. einer Poilhexa- nid- und tensidhaltigen sterilen Wund- spüllösung (z. B. Prontosan® ), deren Anwendung die Abheildauer von Wun- den gegenüber der Anwendung von 0,9 % NaCl- und Ringer-Lösung sogar beschleunigen soll [27]. heftiger Diskussionen. Vor allem wird die Frage kontrovers diskutiert, ob als „neutrales“ Spülmittel sterile Lösun- gen wie Ringer- oder Kochsalz-Lösung eingesetzt werden müssen oder ob mit Leitungswasser gespült werden darf. Ein Cochrane Review [125], der elf Stu- dien zu dieser Frage untersucht hat, hat aufgezeigt, dass der Gebrauch von Lei- tungswasser beim Ausspülen akuter Wunden in keiner Weise das Infektions- risiko erhöht, sondern dieses sogar eher vermindert. In Deutschland fordert das Robert Koch Institut (RKI) demgegen- über, dass Verbandwechsel bei Wunden generell aseptisch (mit der No-touch- Technik) durchgeführt werden müs- sen, um eine exogene Kontamination zu verhindern. Spülflüssigkeiten sollten deshalb steril sein, da auch Leitungs- wasser nicht frei von Mikroorganismen sei [126]. Tatsächlich sind in Leitungs- wasserproben Mikroben häufig nach- weisbar, Schimmelpilze finden sich beispielsweise bis in 16 % der Proben [127]. In Leitungswasser finden sich zudem gramnegative Bakterien, v. a. Pseudomonas aeruginosum, aber auch Acinetobacter spp., Enterobacter spp., Serratia spp. und andere. Auch atypi- sche Mykobakterien und Amöben kön- nen im Leitungswasser übertragen wer- den. Beschrieben worden ist auch ein Ausbruch einer Legionellose als (post- operative) Wundinfektion [130]. Hygie- neexperten in Deutschland halten fest, dass der Cochrane Review auf Studien basiert, die v. a. aus den USA stammen, wo Trinkwasser stärker chloriert wird als beispielsweise in Deutschland und Wie behandeln bei kritisch kolonisierten chronischen Wunden? Bei kritisch kolonisierten Wunden be- steht eine breite Palette von Behand- lungsoptionen, deren Evidenz mehr oder weniger gut dokumentiert ist (Tab. 10). Grundsätzlich kann man zwischen Behandlungen unterscheiden, die sich direkt gegen Mikroorganismen richten (antimikrobielle Therapien) und sol- chen, die zwar nicht direkt gegen Mik- roben ausgerichtet sind, aber die Keim- zahl beeinflussen (nicht-antimikrobiel- le Therapien, s. Tab. 11). Bei kritisch ko- lonisierten Wunden empfehlen sich in einem ersten Schritt immer nicht-anti- mikrobielle Maßnahmen. Nicht-anti- mikrobielle Behandlungen führen pri- mär zu einer Keimreduktion. Darunter fallen alle debridierenden Maßnahmen wie Spülen/Abduschen, chirurgisches Débridement, Autolyse oder Biochirur- gie (Maden). Eine Keimreduktion kann auch mit Unterdrucktherapie (V.A.C. und andere) oder durch die hyperba- re Sauerstofftherapie erreicht werden. Im klinischen Alltag kommt vor al- lem dem Débridement eine entschei- dende Rolle zu (Abb. 8, [25]). Unter Débridement (vom französischen „débrider“ = abzäumen, einschnei- den) versteht man die Entfernung von nicht-vitalem Gewebe aus einer Wunde [22]. Die einfachste debridierende und Wund-reinigende Maßnahme, das Aus- spülen einer Wunde zur Entfernung von losen Nekrosepartikeln, Exsudat und Belägen, ist aber bereits Gegenstand Abbildung 7: a: Therapierefraktäres Ulcus cruris venosum mit starker Exsudation und periulzeröser Mazeration. Im Abstrich fanden sich meh- rere Bakterienspezies. Versuchsweise Anwendung von Honig. b: Nach dreiwöchiger Applikation von Honig haben sich Exsuda- tion und Wundumgebung deutlich verbessert, eine Verkleinerung der Wunde wurde nicht beobachtet. a b

Seitenübersicht