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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 57 Wundinfektionen führung einer resistenzgerechten an- tibiotischen Therapie. Das zweite Ziel, die quantitative Erfassung von Mikro- organismen, sollte den bacterial load als Maß für eine kritische Kolonisation erfassen. Eine repräsentative Keimi- dentifikation und eine genaue quanti- tative Bestimmung der Keimzahl in der Wunde kann nur über eine Gewebepro- be (Biopsie) erfolgen. Mit der Biopsie können sowohl oberflächliche Keime in der Wunde als auch Keime die sich tiefer im Gewebe aufhalten erfasst wer- den [12]. Die Aufarbeitung einer Ge- webeprobe für eine quantitative Keim- bestimmung ist aber sehr aufwändig und wird von kaum einem mikrobio- logischen Institut als Routineuntersu- chung angeboten. Mit einem Wundab- strich können auf einfache Art Keime, die sich oberflächlich in der Wunde auf- halten, identifiziert werden. Neben der Keimidentifikation liefern die meisten mikrobiologischen Institute zusätzlich eine semiquantitative Angabe im Ana- lyseresultat, in der die Keimzahl mit + bis ++++ angegeben wird. Für eine gute Probengewinnung wird empfohlen, ei- nen Watte- oder Baumwoll-Stabtupfer zu benutzen, dessen Tupferspitze im Wundgrund mindestens einmal um die eigene Achse gedreht wird. Für den Ab- strich selbst werden unterschiedliche Techniken vorgeschlagen [19]. • beim konventionellen Wundabstrich erfolgt der Tupferabstrich nur über dem verdächtigen Areal, • beim „Z-Abstrich“ wird der Tupfer zickzackförmig über einen definier- ten Bereich geführt. Damit können Insbesondere die Ausdehnung in tiefe Kompartimente und/oder Osteomye- litis, z. B. beim diabetischen Fuß Syn- drom wichtig. Je nach Befunden ist die Beherrschung eines Infekts nur durch die Behandlung zugrunde liegender Er- krankungen möglich und erfordert z. B. eine interventionelle Revaskulari- sation oder Knochenresektion. Hierzu sind oft teure und/oder invasive Unter- suchungen wie Magnetresonanztomo- graphien oder Angiographien nötig, die heute immer noch teilweise gescheut und deshalb nicht selten zu spät durch- geführt werden. Was tun bei Verdacht auf kritische Kolonisation/ Infektion? Bei Verdacht auf kritische Kolonisati- on sollte eine weiterführende Abklä- rung erfolgen. Das primäre Ziel, die Keimidentifikation, erlaubt die Beur- teilung der Virulenz sowie die Durch- ptomatischen Infektion ist aber nicht immer einfach, da die klassischen In- fektzeichen der symptomatischen In- fektion fehlen. Das wichtigste klinische Zeichen der kritischen Kolonisation ist sicher die fehlende Abheilung trotz kor- rekter Behandlung der Grunderkran- kung und optimaler lokaler Wundthe- rapie. Als weitere klinische Zeichen [35] gelten eine Größenzunahme der Wunde, ein hell- bis düsterrotes ver- letzliches Granulationsgewebe (Abb. 5), Einblutungen (Abb. 7), verstärktes Exsudat, ein übler Geruch oder stärke- re Schmerzen (Tab. 8). Nicht vergessen sollte man bei Ver- dacht auf kritisch kolonisierte oder in- fizierte Wunden die Bedeutung der Ursachenabklärung einer nicht heilen- den Wunde. Von Relevanz für die Aus- bildung einer Infektion ist vor allem die Erfassung der arteriellen Durch- blutungsverhältnisse. Immer soll auch die möglicherweise versteckte Ausdeh- nung einer Infektion bestimmt werden. Zeichen der kritischen Kolonisation (asymptomatische Infektion) • keine Abheilung trotz Behandlung der Grunderktankung und optimaler lokaler Wund- pflege • Größenzunahme des Ulkus • Hell- bis düsterrotes verletzliches Granulationsgewebe • Einblutungen • Verstärktes Exsudat • Übler Geruch • Schmerz Tabelle 8 Anzeichen einer kritischen Kolonisation. Abbildung 4 a: Ulcus cruris bei einer 86-jährigen Frau mit chronischer venöser Insuffizienz und peripherer arterieller Verschlusskrankheit. In einem ersten Schritt erfolgte eine erfolgreiche PTA einer femoro-poplitealen Stenose. b: Trotz verbesserter arterieller Perfusion und vorerst konsekutiver Verkleinerung der Ulkusgröße blieb die weitere Wundheilung aus. Im düsterroten Granulationsgewebe fand sich Pseudomonas aeruginosa. Nach fehlender Besserung auf topische Antiseptika (Polihexanid) kam es nach resistenzge- rechter systemischer antibiotischer Therapie zur Abheilung. c: Fortschreitende Abheilung des Ulkus nach systemischer antibio- tischer Therapie. a b c

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