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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 55 Wundinfektionen Der Übergang von einer kolonisierten zu einer infizierten chronischen Wun- de ist allerdings wie man heute weiß ein fließender (Tab. 5). Sobald eine bakterielle Kolonisation ein gewisses Ausmaß erreicht hat, spricht man von einer kritischen Kolonisation [76]. Bei einer kritisch kolonisierten Wunde lie- gen klassische Infektzeichen nicht vor. Trotzdem ist ohne spezielle antimikro- bielle Therapie eine Abheilung in der Regel nicht möglich. Zur Bezeichnung einer kritisch kolonisierten Wunde wer- den auch Begriffe wie „asymptomati- sche Infektion“ oder „bacterial overlo- ad“ verwendet. Für eine kritische Ko- lonisation bedarf es einer bestimmten Anzahl von Bakterien, welche die Wun- de besiedeln. Auf den Zusammenhang der bakteriellen Besiedelung mit einer gestörten Wundheilung haben bereits 1964 Bendy und Mitarbeiter hinge- wiesen [8]. 30 Jahre später haben die Arbeiten von Robson und anderen auf- gezeigt, dass bei >105 Mikroorganis- men pro g oder mm3 eine Wunde in der Regel nicht mehr abheilen kann [14, 71, 72]. Bei einer Kolonisation mit mehr als 105 Bakterien ist eine Wunde damit mit großer Wahrscheinlichkeit kritisch ko- lonisiert. Allerdings ist nicht nur die Zahl der Mikroorganismen für die feh- lende Abheilung einer Wunde verant- wortlich. Von Bedeutung ist auch die Virulenz der Keime [12]. Virulente, d. h. aggressivere Keime, können bereits in geringerer Zahl ein Wundmilieu ent- scheidend negativ beeinflussen. Für die Virulenz eines Bakterienstamms ver- antwortlich sind einerseits strukturel- le Eigenschaften der Bakterien, so der Besitz von Kapseln, welche die Bak- loproteinasen (MMPs) bewirkt. Die er- höhte Aktivität der Proteinasen kann schlussendlich durch einen verstärkten Gewebeabbau einen fehlenden Wund- verschluss erklären (www.erc.montana. edu/biofilmbook). | Symptomatische Infektion und kritische Kolonisation Bis vor einigen Jahren wurde eine chro- nische Wunde dann als infiziert be- trachtet, wenn klassische Infektzeichen wie Fieber, erhöhte Infektionsparame- ter im Blut oder klinisch ein Erysipel (Abb. 1) oder eine Phlegmone (englisch: Cellullitis, Abb. 2) vorliegen [66]. Eine solchermaßen symptomatische, infi- zierte Wunde (symptomatische Wund- infektion) benötigt eine systemische antibiotische Therapie (Tab. 4, [6]). Druckgeschwüre untersucht werden [26]. Die klinische Relevanz solcher Er- kenntnisse ist allerdings unsicher: Ob Biofilme nur ein anderer und differen- zierterer Ansatz sind, um eine kritische Kolonisation zu erklären (s. u.), oder tatsächlich ein neues Verständnis für die Pathogenese von Wundinfektionen darstellen, muss sich noch erweisen. Möglicherweise kann durch Biofilme aber zumindest ein Erklärungsansatz für die Chronizität von Wunden gelie- fert werden. Hypothetisch kann man argumentieren, dass bakterielle Lipo- polysaccharide (LPS) Toll-like Rezep- toren (TR) auf bestimmten Zellen zu aktivieren vermögen. Dies wiederum führt zur Produktion von proinflam- matorischen Zytokinen (z. B. TNF-b), was in Fibroblasten und Keratinozyten eine Aufregulation von Matrix-Metal- Abbildung 1 Erysipel - Die infektiösen Keime (in der Regel Streptokokken) haben sich von Ul- zerationen ausgebreitet, die im Rahmen eines Lymphödems bestehen. Typisch für Lymphödem sind das Fussrückenödem und die geschwollenen Zehen, bei denen das Stemmer-Zeichen positiv ausfällt. Die Ausdehnung der Bakterien erfolgt in der Dermis, vorwiegend in Lymphspalten, die dadurch geschädigt werden und das be- stehende Lymphödem verschlechtern. Man beachte klinisch die für das Erysipel ty- pische scharfe Begrenzung der entzündlichen Rötung. Symptomatische Wundinfektion Klassische Symptome: • Fieber • Erhöhte Infektparameter im Blut • Phlegmone (Cellulitis)/Erysipel • Lymphangitis/Lymphangenitis sowie • Purulentes Exsudat • Schmerzen Tabelle 4 Übersicht über Zeichern einer systema- tischen Wundinfektion. Tabelle 5 Kontamination, Koloni- sation, Infektion.

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