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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 49 Advanced Methods die für die Behandlung chronischer Wunden vorgesehen und zugelassen sind, nämlich Apligraf® und Epidex® . Europaweit sind beide genannten Haut- äquivalente in der Schweiz am längsten zugelassen, so dass man hierzulande im europäischen Raum über die größ- te klinische Erfahrung mit diesen Pro- dukten verfügt. Da es sich sowohl bei Apligraf als auch bei Epidex® um teure Produk- te handelt, ist deren Einsatz in der Schweiz durch Richtlinien geregelt, die von der Schweiz. Gesellschaft für Wundbehandlung SAfW (zusammen mit der Schweiz. Gesellschaft für Der- matologie SGDV) ausgearbeitet wor- den sind [4] (s.auch www.safw.ch-aktu- ell-BAG Richtlinien). Voraussetzung für den Einsatz von Hautäquivalenten ist, dass eine schwer heilende Wunde drei Monate nach ad- äquater Therapie der Wundursache und adäquater Lokaltherapie eine do- kumentierte verzögerte Heilungsten- denz zeigt. Ein Hautäquivalent kann nach die- sen Richtlinien einer Spalthaut vorge- zogen werden, • wenn das Wundbett für eine Spalt- haut ungenügend konditioniert wer- den kann, • wenn der Patient eine Spalthauttrans- plantation ablehnt, • wenn eine Spalthaut aufgrund eines operativen Risikos nicht geeignet ist, • wenn vorhergehende Spalthauttrans- plantationen nicht erfolgreich waren - oder auch, damit eine Hospitalisation umgangen werden kann. Zudem können Hautäquivalente nur von zertifizierten Anwendern appli- ziert werden, die für die Anwendung geschult worden sind sowie über ein Wundkonzept und eine etablierte in- terdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit verfügen [31]. Apligraf® Bei Apligraf® handelt es sich um ein lebendes zweischichtiges Hautäquiva- lent, das der menschlichen Haut nach- konstruiert wurde und aus einer Epider- mis und Dermis besteht. Die Epidermis ist aus humanen Keratinozyten aufge- baut, die aus Neugeborenen-Vorhaut gezüchtet wurden. Die Dermis enthält humane Fibroblasten, die ebenfalls aus nen Epidermis- oder Dermisersatz oder um zweischichtige Hautäquivalente. Als Ausgangssubstanzen werden körperei- gene (autologe) oder körperfremde (al- logene) Materialien verwendet: • Bei den epidermalen Ersatzverfahren erfolgt die Wunddeckung mit autolo- gen Keratinozyten allein oder in Ver- bindung mit einer Transportmatrix (zum Beispiel inerter Polymerfilm, resorbierbare Matrix). • Bei dermalen Ersatzverfahren wird künstliche dermale Matrix bereitge- stellt, die die Infiltration durch kör- pereigene Zellen und die Reorgani- sation des Ersatzgewebes durch kör- pereigene Zellen ermöglicht. • Komposithaut–Ersatzverfahren stel- len die Kombination aus dermalem Matrixersatz mit epidermalen und/ oder dermisständigen Zellen dar. Die meisten Hautersatzprodukte wer- den in der Behandlung akuter Wunden, v. a. von Verbrennungswunden einge- setzt. Für alle oben aufgeführten Ersatz- verfahren wird häufig der Begriff Haut- äquivalente verwendet. Vor allem im Hinblick auf regulatorische Abgrenzun- gen erscheint es sinnvoll, von Hautäqui- valenten nur dann zu sprechen, wenn ein Produkt vorliegt, das aus lebenden kultivierten Zellverbänden besteht [4]. Dermale Aequivalente, die in der Re- gel nur aus Kollagenfasermaterialien bestehen (z. B. Integra® oder Oasis® ) würden damit nicht Hautäquivalenten, sondern biologisch aktiven azellulären Materialien entsprechen (s. oben) In der Schweiz gibt es nur zwei kom- merziell erhältliche Hautäquivalente, Einfacher durchführbar – nämlich im Krankenzimmer und in Lokalanästhe- sie - ist die Reverdinläppchentransplan- tation, bei welcher kleine Hautstücke tangential abgetragen und als Inseln auf die Wunde gebracht werden. Die Methode geht auf den Schweizer Chi- rurgen J. L. Reverdin zurück, der die Technik bereits 1869 beschrieb. Das kosmetische Outcome ist bei diesem Verfahren allerdings weniger befrie- digend. Saugblasentransplantation Eine spezielle Technik einer autologen Hauttransplantation stellt die Saugbla- sentransplantation dar: Mittels einer speziellen Vakuum-Sogvorrichtung werden an der Haut Blasen erzeugt (Abb. 6). Die Blasendächer werden ab- getragen und als dünne Schicht aus Ke- ratinozyten auf die Wunde gebracht. Die Methode hat gute Resultate bezüg- lich Abheilung bei schlecht heilenden Wunden aufgezeigt [30]. Hautaequivalente Die Deckung von Wunden mit einer „künstlichen“ lebenden Haut stellt ei- nen „ewigen“ Wunsch von Wundbe- handlern dar. Artifizieller lebender Gewebeersatz ist denn auch seit Jah- ren Gegenstand der Wundforschung. Eine Vielzahl von Produkten wurde schon entwickelt und klinisch einge- setzt. Bereits 2006 zählte Swissmedic 18 Zell- und Gewebeprodukte in der Schweiz (einschließlich Knorpel- und Knochenprodukten). Bei den Hautpro- dukten handelt es sich entweder um ei- Abbildung 6 Saugblasen nach Vakuumsog-Induktion.

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