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SAfW Wundkompendium

48 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Advanced Methods Für solche Materialien wurden in der Schweiz spezielle Anwendungsrichtli- nien entwickelt [24], die vor allem auch den gegenüber normalen Wundmateri- alien deutlich höheren Preis rechtferti- gen sollen (s. www.safw.ch-aktuell-BAG Richtlinien). Gemäß dieser Richtlinien kann Oa- sis® kassenpflichtig bei venösen, ge- mischt arterio-venösen und diabeti- schen Ulzera eingesetzt werden, für deren schnellere Abheilung auch eine Evidenz nachgewiesen worden ist. Vo- raussetzung für den Einsatz von azellu- lären biologisch aktiven Materialien ist jedoch, dass eine Wunde sechs Wochen nach adäquater Therapie der Wundur- sache und adäquater Lokaltherapie eine dokumentierte verzögerte Heilungsten- denz zeigt. | Empirisch bewährte Methoden Viele Wundbehandlungsmethoden ha- ben in Kasuistiken und auch Studien ei- nen Nutzen in der Wundbehandlung ge- zeigt, ohne dass die genaueren patho- physiologischen Mechanismen bekannt wären. An dieser Stelle sollen exemp- larisch dafür zwei solche physikalische Verfahren vorgestellt werden: Wassergefilterte Infrarot A-Therapie (wIRA) Infrarotstrahlung umfasst elektromag- netische Wellen von einer Wellenlänge von 780 Nanometer bis 1 Millimeter. Die Strahlen erzeugen vor allem Wär- me. Im kurzwelligen Infrarot A-Bereich (780–1400 nm) zeigen die Strahlen eine sehr gute Gewebepenetration und ver- mögen bis in tiefere Hautschichten ein- zudringen. Durch Wasserfilterung kön- nen die thermisch störenden Anteile des Infrarotlichts, die zu Brennen auf der Haut und Verbrennungen führen, herausgefiltert werden. Wassergefil- tertes Infrarot A (wIRA) entspricht da- mit einer speziellen Form der Wärme- strahlung, die sich durch eine sehr gute Gewebepenetration bei gleichzeitiger geringer thermischer Oberflächenbe- lastung auszeichnet. wIRA kann mittels spezieller, kom- merziell erhältliche Strahler appliziert werden (z. B. Hydrosun® ) und lässt sich für verschiedenste medizinische Indi- kationen einsetzen [25]. Das für die Be- handlung notwendige Gerät kostet in Deutschland ca. 1700,- Euro (Abb. 5). In der Behandlung venöser Ulcera cruris konnte in einer prospektiven, ran- domisierten, kontrollierten Studie mit 40 Patienten eine raschere Abheilung mit wIRA aufgezeigt werden [26]. Die- se erfolgte bereits nach 18 Tagen, wäh- rend in der Kontrollgruppe 42 Tage zur Abheilung benötigt wurden (n = 40). Die Ergebnisse konnten in den ersten Resul- taten einer prospektiven, randomisier- ten, kontrollierten, verblindeten Studie [27] und auch in einer prospektiven Ko- hortenuntersuchung [28] bestätigt wer- den. Empfohlen werden für die Therapie 3–5 Behandlungen pro Woche mit einer Bestrahlungsdauer von je 20–30 min. Die Wirkung von wIRA dürfte in der Erzeugung eines therapeutisch nutzba- ren Wärmefelds liegen. Temperatur, Sauerstoffpartialdruck und Durchblu- tung im Gewebe werden gesteigert, was sich positiv auf die Wundheilung und eine verbesserte Infektionsabwehr aus- wirkt [27]. Extrakorporale Stoßwellen Therapie (ESWT) Die extrakorporale Stoßwellenlithotrip- sie (ESWL) wird seit beinahe 30 Jahren zur Behandlung von Nierensteinen (Li- thos = Stein) in der Medizin eingesetzt. Dabei werden akustische Impulse, die zu einem sehr schnellen Druckanstieg führen, ins Gewebe geleitet. Die Stoß- wellentherapie selbst besteht aus meh- reren Hundert bis einiger Tausend sol- cher Schallereignisse, welche bis zu 8mal pro Sekunde abgegeben werden. Stoßwellentherapien werden zwischen- zeitlich auch erfolgreich zur Behand- lung von Pseudarthrosen und ortho- pädischen Weichteilpathologien ein- gesetzt und haben auch in der Wund- behandlung Erfolge gezeigt. Für die Wundbehandlung werden sogenannte „soft focused“ Schallköpfe verwendet, die die Schallwellen breiter verteilen (in der Regel ca 2,5 cm im Durchmesser) und weniger tief penetrieren lassen. In einer Pilotstudie am Universitäts- spital Zürich wurden 16 Patienten mit 22 Wunden behandelt. 81 % der vorher unter adäquater Wundtherapie nicht- heilenden Wunden heilten ab (27 %) oder verbesserten sich (54 %) [29]. Man vermutet, dass Stoßwellen einen positiven Einfluss auf Zellen und deren Wachstum haben können, indem sie die Ausschüttung von Wachstums- faktoren induzieren (v. a. TGF-ß1 und VEGF) und NO (Stickoxid, ein Vasodi- latator und Förderer der Neoangiogene- se) über die Stimulierung des Enzyms eNOS hochregulieren. Zu weiteren physikalische Therapie- verfahren, für die in RCT eine Wirkung auf die Heilung bei gewissen Wund- arten nachgewiesen werden konnte, gehören die Elektrostimulation, Ultra- schall und die Verwendung elektroma- gnetischer Felder, während ein über- zeugender Wirksamkeitsnachweis für die beliebte Low-level Lasertherapie noch aussteht. | Hautersatzverfahren Eine Beschleunigung der Wundheilung kann erreicht werden, wenn eine Er- satzhaut auf die Wunde gebracht wird, die im Idealfall anwächst. Autologe Hauttransplantation Die Transplantation körpereigener (= autologer) Haut gilt immer noch als Goldstandard der Hautersatzverfahren. Von einem Anwachsen der transplan- tierten Haut (=„Take“) wird bei der Ap- plikation körpereigener Haut des Pati- enten ausgegangen. Am verbreitetsten ist die Transplantation von Spalthaut oder Vollhaut, die an einer anderen Kör- perlokalisation entnommen und auf die Wunde gebracht wird. Die notwendigen chirurgischen Eingriffe werden nor- malerweise in einem Operationssaal durchgeführt und benötigen meist (je nach Lokalisation und Größe) eine All- gemein- oder Regionalanästhesie. Abbildung 5 wIRA Therapie.

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