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SAfW Wundkompendium

46 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Advanced Methods [8, 9], was zur Einführung eines PDGF- BB-enthaltenden Gels (Regranex® ) zur Behandlung von diabetischen Fußul- zera führte. In der Plazebo kontrollier- ten doppelblinden Studie von Wieman et al. 1998 wurde die Anwendung von rekombinantem PDGF-BB (Beclaper- min) bei 382 Patienten mit diabetischen neuropathischen Fußulzera untersucht. Nach 20 Wochen zeigte sich bei 50 % der Becaplermin-behandelten Patien- ten eine Abheilung versus 35 % in der Plazebogruppe. Die Resultate der Stu- die führten zur FDA-Zulassung von Be- clapermin-Gel (Regranex® ) für die Be- handlung diabetischer Fußulzera. In der Schweiz ist Regranex® für die Indi- kation „diabetische Fußulzera“ mit aus- reichender Blutversorgung und einer Größe ≤ 5 cm2 zugelassen. Regranex® wird einmal täglich in einer dünnen Schicht auf die Wunde getragen und mit einer feuchten Auflage, z. B. mit einer Gaze, die mit 0,9 %iger Kochsalzlösung getränkt ist, abgedeckt. Die Applikation wird für maximal 20 Wochen durchge- führt. Die Kosten einer Tube 15 g Gel 0,01 % belaufen sich auf CHF 660.00. Nachdem in Follow-up Untersu- chungen bei Regranex® -Patienten eine erhöhte Malignom-Inzidenz nach 20 Monaten aufgefunden worden war (3 % versus 1 % in der Plazebo-Gruppe), zeigte eine retrospektiven Datenauf- arbeitung, dass bei Patienten, die mit 3 und mehr Tuben Regranex® Gel behan- delt worden waren, ein 5-fach erhöhtes Risiko einer malignombedingten Mor- talität bestand [10]. Das Malignomrisi- ko scheint Dosisabhängig zu sein. In der Schweiz wird seit 2008 empfohlen, die Indikation für eine Regranexbehand- lung kritisch zu überprüfen. Patienteneigene Thrombozyten (z. B. RegenKit® ): Ein einfaches Verfahren, um thrombo- zytäre Wachstumsfaktoren einzuset- zen, ist deren Gewinnung aus patienten- eigenem Blut. In der Schweiz vertreibt RegenLab (CH-1052 Le Mont-sur-Lau- sanne) ein kommerziell erhältliches Kit, dass alle notwendigen Utensilien zur Gewinnung von Thrombozyten aus Pa- tientenblut enthält. Mit RegenKit® kann aus 9 ml Patienten-Vollblut ein Plätt- chen-reiches Konzentrat (ca 4–5ml) in- nerhalb von 10 Minuten gewonnen wer- den. Dieses wird als Gel auf die Wun- de gebracht. Bei chronischen Wunden ist die Wirksamkeit des Verfahrens nur in Kasuistiken dokumentiert. Ähnliche Geräte weiterer Hersteller funktionie- ren nach demselben Prinzip. Proteaseninhibitoren Protein-degradierende Enzyme (Protei- nasen oder Proteasen) sind in allen Sta- dien der Wundheilung bedeutsam, vor allem aber in der Reparation bzw. der Phase des Remodelings. Um ein Nar- bengewebe aufzubauen, ist ein ständi- ger Umbau des Gewebes für die struk- turelle Anpassung notwendig. Bedeut- sam sind dafür vor allem Matrix-Metal- loproteasen (MMPs). Matrix-Metalloproteasen (MMP) sind eine Gruppe verwandter Enzyme, die die Spaltung von Peptidbindungen in Proteinen katalysieren (sogenannte Peptidasen). Sie weisen alle ein Metall- ion (Zink) in der katalytischen Domäne auf, woher der Name abgeleitet wurde. Außerdem haben sie stets eine kalzium- bindende Domäne, die für die Aktivie- rung notwendig ist. MMPs werden von Fibroblasten, Keratinozyten und ande- ren Zellen produziert und sezerniert. Sie spalten in der extrazellulären Mat- rix Proteine, z. B. Kollagen, Elastin, Fi- bronektin oder Proteoglykane [11]. Die Aktivität der MMPs wird im Gewebe durch spezielle Inibitoren gehemmt, die Tissue Inhibitors of Metalloproteinases (TIMPs). Bei den TIMPs handelt es sich um Glykoproteine, die ebenfalls in Fi- broblasten und Keratinozyten gebildet werden. Sie hemmen die MMPs durch Interaktion mit der katalytischen Domä- ne [12]. In einem normalen Wundhei- lungsverlauf befinden sich MMPs und TIMPs immer in einem Gleichgewicht. Seit langem ist aus der Wundfor- schung bekannt, dass in chronischen Wunden im Vergleich zu akuten Wun- den eine bis 30-fach erhöhte Aktivität und Konzentration von MMPs besteht [13]. Gleichzeitig konnte auch aufge- zeigt werden, dass die Inhibitoren der Proteinasen, die TIMPs, in chronischen Wunden vermindert sind [14]. Man geht davon aus, dass die anhaltende erhöhte Aktivität von Proteinasen in der chroni- schen Wunde einen Hauptfaktor für die fehlende Abheilung darstellt. Die Ver- minderung der Metalloproteinasen-Ak- tivität ist denn auch Zielpunkt mehrerer Therapeutika. Besondere Aktualität haben Pro- teaseinhibitoren durch die Einführung eines die Proteasen messenden Wund- sticks („WOUNDCHECK“, Firma Sys- Abbildung 2 Doxycyclin. Abbildung 1 Wachstumsfaktoren im Wundheilungsverlauf: inflammatorische Phase (aus Streit M, ZfW 2008).

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