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SAfW Wundkompendium - 40 Wundauflagen

40 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Wundauflagen Wundauflagen M. Signer, C. Keller-Preisig, S. Läuchli | Einführung Durch die Verwendung von moder- nen Wundauflagen wird ein feuchtes Wundmilieu geschaffen, welches für die Wundheilung förderlich ist [1]. In der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts konnte gezeigt werden, dass Wunden unter einer Folienabdeckung rascher heilen als an der Luft, wo sich somit ein Schorf bildet [2]. Ein feuchtes Wundmi- lieu unterstützt die Wundheilung auf verschiedene Arten: Es bewirkt eine hohe Aktivität von Leukozyten und Makrophagen, womit die Autolyse des Wunddebris unterstützt wird [3]. Die unerwünschte Schorfbildung bleibt aus. In der Epithelialisierungsphase wird das Einwandern von Epithelzellen erleichtert. Zudem schmerzen feucht gehaltene Wunden weniger, da die Aus- trocknung von offenliegenden Nerven- endigungen verringert wird. Es ist entscheidend, dass die Wund- auflage entsprechend dem Wundhei- lungsstadium und dem Exsudations- grad der Wunde ausgewählt wird. Zahlreiche moderne Wundverbän- de haben okklusive oder semiokklusi- ve Eigenschaften. Okklusive Wundver- bände fördern die Wundheilung opti- mal, indem sie ein feuchtes Wundmilieu schaffen, die Temperatur der Wunde nahe der Körpertemperatur halten und die Wunde vor äußerer Verschmutzung schützen [4, 5]. Zudem induziert die vorübergehende Hypoxie der Wund- oberfläche die Angiogenese [6, 7]. Befürchtungen, dass Wundinfektio- nen häufiger auftreten bei okklusiver Wundbehandlung haben sich nicht be- wahrheitet; einerseits, weil diese Ver- bände die Wunden vor dem Eindringen von Mikroorganismen schützen, ander- seits weil durch die Okklusion ein leicht saurer pH-Wert auf der Wunde erzielt wird, welcher das Bakterienwachstum hemmt [8, 9]. Okklusive Wundverbände sind aber kontraindiziert bei infizierten Wunden, Tumorwunden und bei frei- liegenden Sehnen/Knochen. Bei arte- riellen und diabetischen Wunden kön- nen semiokklusive Verbände mit Vor- sicht eingesetzt werden, initial sollten hier die Verbandwechsel in kürzeren Abständen erfolgen und besonders auf Zeichen der Wundinfektion und -ver- größerung geachtet werden. Bei venö- sen Ulzera mit ausgedehnter Atrophie blanche kann eine okklusive Wundbe- handlung zu einer Vergrößerung der Wunde durch Untergang der atrophen Haut führen. Für klinische Studien, mit denen die Effektivität von modernen Wund- verbänden gezeigt werden soll, wird meistens als Vergleichsbehandlung die Wundbehandlung mit feuchten Gaze- verbänden herangezogen. Dabei konnte bisher nicht abschließend gezeigt wer- den, dass bestimmte Wundauflagen die Abheilungszeit von chronischen Wun- den signifikant verkürzen können [10– 13]. Dies lässt aber nicht den Umkehr- schluss zu, dass durch eine ungeeig- nete Wundauflage die Wundheilung nicht verzögert werden kann. Zudem liegen zu dieser Fragestellung vorwie- gend kleine, methodologisch ungenü- gende Studien vor. Die Auswahl der Wundauflage sollte auch Faktoren wie Patientenkomfort, Häufigkeit des Ver- bandwechsels und Kosteneffizienz mit einbeziehen. Es folgt nun eine Auflistung der ver- schiedenen Wundauflagen nach Pro- duktegruppen mit Beschreibung der Produktegruppe, Indikationen, Kontra- indikationen und Anwendungshinwei- sen. Auf Grund der unübersichtlichen Vielfalt der Wundauflagen und Kombi- nationen von Inhaltsstoffen in Wund- auflagen wird hier nur auf die verbrei- tetsten Wundproduktegruppen einge- gangen. | Hydrogele Eigenschaften • Hydrogele bestehen zu 60 bis 95 % aus Wasser. • Sie werden vor allem in Tuben/Spen- dern angeboten, einige Produkte als Gel-Auflage • Der hohe Wassergehalt hält die Wun- de über einen längeren Zeitraum feucht. • Die Befeuchtung der Wunde schafft ein optimales Wundmilieu, regt die autolytische Wundreinigung an und weicht Nekrosen/Schorfe auf [14]. • Das als kühl empfundene Gel kann eine Schmerzreduktion bewirken. Indikationen • Feuchte Wundbehandlung bei trocke- nen oder zur Austrocknung neigenden Wunden [15] • Einweichen von Schorfen und Belä- gen vor mechanischem Débridement • Kann für trockene Wunden in allen Wundheilungsphasen eingesetzt wer- den Kontraindikationen • Stark nässende oder blutende Wunden • Gel-Kompressen mit einer Folie als Trägermaterial sind bei infizierten Wunden kontraindiziert. Maria Signer Wundexpertin SAfW Venenklinik Bellevue, 8280 Kreuzlingen E-Mail: m.signer@venenklinik.ch

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