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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 37 Wundreinigung Bei chronischen Wunden sollte PVP Jod nur in niedrigen Konzentrationen oder in Darreichungsformen mit langsamer Freisetzung verwendet werden. Dies kann z. B. durch eine Koppelung an Ca- dexomer oder die Abgabe in niedriger Konzentration in einem Hydrogel er- reicht werden. Biofilm Sekundär heilende Wunden sind im- mer mit einer Vielzahl von Bakterien be- siedelt. Ein Biofilm ist eine in Gemein- schaft lebende Vielfalt von Mikroorga- nismen, die sich an einer Oberfläche or- ganisieren und somit ein System bilden, mit dem sich die Mikroorganismen vor äußerem Zugriff schützen. Ein Biofilm beeinflusst die Wundheilung negativ und kann je nach Virulenz der Mikroor- ganismen zu einem Wundinfekt führen. Zur Entfernung des Biofilms eig- nen sich alle Methoden des chirurgi- schen Débridements. (s. unten). Wenig ausgeprägte Biofilme können sowohl durch eine Nass-Trockenphase mit ei- nem Wundantiseptikum als auch durch spülen mit einer Wundspüllösung ver- mindert werden [10]. Jodhaltige Pro- dukte [11] und antiseptische Wundspül- lösungen haben die Fähigkeit, Biofilme aufzubrechen [12]. Obsolete oder entbehrliche Wirkstoffe zur Wundantiseptik Dazu werden Wirkstoffe gezählt, die wegen unsicherer Wirksamkeit, kriti- scher Zytotoxizität, Irritations- und All- ergiepotenzial, Schmerzinduktion, Re- sistenzentwickelung, resorptiver Risi- ken und/oder wegen Ökotoxizität nicht mehr empfehlenswert für die Anwen- dung als Wundantiseptikum sind bzw. für die der klinische Wirkungsnachweis fehlt [14]. Eine Auswahl an solchen Sub- stanzen findet sich in Tabelle 2. Im Weiteren ist der Einsatz von Le- bensmitteln ungeeignet. Topische Anti- biotika sollen ebenfalls nicht zur Wund­ antispetik verwendet werden da sie mi- krobielle Resistenzen und Kreuzresis- tenzen mit systemischen Antibiotika erzeugen können. Zudem ist die Pene- tration von topischen Antibiotika un- genügend, siekönnen zytotoxisch sein und hochallergen. | Debridement Das Wunddebridement gehört zur Wundbettvorbereitung einer chroni- schen Wunde. Es kann durch keine noch so ausgiebige Wundreinigung und -spülung ersetzt werden. Eine Ausnah- me bilden schön granulierende Wunden ohne Fibrin und Nekrosen: Ein Débri- dement würde hier durch die Entfer- nung des zarten neugebildeten Gewe- bes schaden. Das Ziel des Debridement ist es, ge- sundes Gewebe freizulegen, damit die Wundheilung erneut angeregt wird. Eine chronische Wunde wird so in eine akute Wunde überführt. Débridement bedeutet im medizini- schen Sprachgebrauch die Entfernung von abgestorbenem Gewebe (Nekro- sen), Fibrinbelägen. Gleichzeitig wer- den biologisch aktive Organismen (Bak- terien, Pilze, Viren), auch wenn sie sich in Biofilmen organisiert haben, sowie schädliche Substanzen (zelluläre Toxi- ne, Entzündungsfaktoren) und Zellen, die auf Wachstums- und Regenerations- reize wenig responsiv sind (seneszente Zellen) entfernt. Man spricht auch von der Reduktion der biologischen Last (engl.: bioburden). Vor jedem Debridement ist sicher- zustellen, dass die Prozedur nicht zu schmerzhaft ist für den Patienten. Außer bei Diabetikern mit schwerer Polyneuropathie, bei denen alle Arten des Débridements in der Regel nicht schmerzhaft sind, bedarf es praktisch immer einer Lokalanästhesie (Flä- chen- oder Infiltrationsanästhesie) und/ oder der Verabreichung einer adäqua- ten Analgesie. Durch die Applikation von lokalanästhetischer Crème unter einem Okklusivverband während 30– 60 Min. vor dem Débridement, können die Schmerzen wirksam reduziert wer- den [15]. Es werden verschiedene Arten des Débridements unterschieden: Mechanisches Debridement („bed side Debridement“) Unter mechanischer Einwirkung wird nekrotisches Material abgetragen. Die effektivste Form des mechanischen Débridements ist das scharfe Debri- dement: es kann mit Curette, Skalpell, Schere oder scharfem Löffel durchge- führt werden. Das (scharfe) mecha- nische Débridement ist effektiv [16], bedarf jedoch genauer anatomischer Kenntnisse. Insbesondere bei arteriel- len Ulzera sollte nur vorsichtig débri- diert werden, da bei diesen Wunden oft Sehnen und andere Strukturen freilie- gen, die mit Belägen verwechselt wer- den können. Diese Wunden neigen nach zu ausgiebigem Debridement zur Aus- trocknung und können sich dadurch vergrößern [17].Eine neuere Form ist das Wasserstrahldébridement. Durch eine Düse erzeugter Druck reinigt und débridiert die Wunde schichtweise. Eine Sonderform des mechani- schen Débridements ist die Nass-Tro- ckenphase. Diese ist sanft und in aller Wirkstoff Einwirk- zeit Vorteile Nachteile Octenidin- dihydro- chlorid Ca.30s Hohe Wirksamkeit bei guter Ver- träglichkeit, rascher Wirkungs- eintritt, starke Remanenz, z.T. virozid, kein Eiweiss- und Blut- fehler, keine Resorption, kein Einfluss auf Mikrozirkulation, Sti- mulation von PDGF Knorpeltoxisch Polihexanid Ca. 10–15min Remanenz, kein Eiweiß- und Blutfehler, keine Resorption im Nachweisbereich Langsamer Wirkungs- eintritt gegenüber Oc- tenidindihydrochlorid und Iodophere Iodophore Ca. 30s Mikrobiozid, sporozid, z. T. viro- zid, Inhibition von Entzündungs- mediatoren, knorpelverträglich Fehlende Remanenz, Blutfehler, Iodresorpti- on, zytotoxisch Tabelle 1 Wundantiseptika.

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