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SAfW Wundkompendium - 36 Wundreinigung und Debridement

36 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Wundreinigung Wundreinigung und Debridement C. Keller-Preisig, M. Signer , S. Läuchli | Wundreinigung Ziel der Wundreinigung ist es, gelöste Beläge, Fremdmaterial und Mikroorga- nismen durch physikalische Maßnah- men und/oder antiseptische Behand- lung der Wunde möglichst vollständig und atraumatisch aus der Wunde zu entfernen. Spülen Sowohl bei akuten als auch bei chroni- schen Wunden kommt dem Spülen eine große Bedeutung zu. Die Keimdichte auf einer Wunde kann um ein mehrfa- ches reduziert werden durch ausgiebi- ges spülen. Sauberes Leitungswasser ist dafür ebenso geeignet wie sterile Kochsalzlösung [1]. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass durch vermehrten Druck beim Spülen signifikant mehr Bakterien aus der Wunde entfernt werden können. Es empfiehlt sich deshalb, wenn immer möglich und je nach klinischem Be- fund, eine Hochdruckspritze zu ver- wenden. Grundsätzlich können Wunden auch ausgeduscht werden, insbeson- dere stark verschmutzte Wunden. Der Wasserdruck muss der Wundphase an- gepasst sein, in der Granulationsphase empfiehlt sich die Dusche nicht wegen Fragilität des Wundbettes und Schmer- zen. Damit das Ausduschen der Wun- den nicht zu Schmerzen oder Blutungen führt, sollte der Wasserdruck nicht zu hoch sein, wie die Praxis zeigt. Wundtaschen und Fisteln (wenn deren Herkunft abgeklärt ist), können je nach Größe mit Knopfkanülen oder Kathe- tern gespült werden [2]. Nass-Trockenphase Die Nass-Trockenphase ist eine Form der Wundreinigung. Bei der Nass-Tro- ckenphase werden im Gegensatz zum alleinigen Spülen der Wundrand und die Wundumgebung miteinbezogen. Die Nass-Trockenphase hat eine anti- entzündliche und beruhigende Wir- kung auf die Wundumgebung [3]. Durchführung: Zur Nassphase wer- den mehrlagige Kompressen mit einer neutralen Lösung wie NaCl 0,9 %, Rin- gerlösung, einem Wundantiseptikum oder einer Wundspüllösung getränkt und auf die Wunde sowie die Wundum- gebung aufgelegt. Die Dauer der Nass- phase beträgt zwischen 5 und 15 Minu- ten und hängt von der verwendeten Trä- gerlösung und vom Zustand der Wund- umgebung ab. Bei einer Nassphase von 15 Minuten können Wundantiseptika aufPolihexanidbasis ihre Wirkung voll entfalten, für andere Wundantiseptika genügen kürzere Einwirkzeiten (sie- he unten). Zur Trockenphase werden mehr- lagig trockene Kompressen aufgelegt. Sie dauert in der Regel ebensolange wie die Nassphase und dient der Aufnahme überschüssiger Feuchtigkeit. Produkte zur Wundreinigung Zur Wundreinigung eignen sich neu- trale Lösungen wie NaCl 0,9 % oder Ringerspüllösung. Ringerspüllösung enthält zusätz- lich zum NaCl 0,9 % Kalzium- sowie Kaliumionen und entspricht somit eher dem Elektrolytgehalt von Wun- den. Es ist aber nicht belegt, dass dies die Wundheilung vorteilhaft beein- flusst. Wenn keine sterilen Wundreini- gungslösungen verfügbar sind, kann auch gewöhnliches Leitungswasser ver- wendet werden, es wurde damit kein Unterschied in der Abheilungsrate oder Wundinfektionsrate gezeigt [1, 4]. Al- ternativ können Wunden auch mit einer Wundspüllösung gereinigt werden, die zusätzlich Tenside enthält und somit Biofilme effektiver löst [5]. Bei größe- ren Wundflächen sollten die verwen- deten Lösungen vorzugsweise körper- warm sein. | Wunddesinfektion Wundantiseptika Bei chronischen Wunden, bei denen Zeichen einer Wundinfektion oder einer kritischen Kolonisation vorliegen, kön- nen zur Verminderung der Bakterien- last Wundantiseptika angewendet wer- den [6]. Bei der Auswahl des Wundantisep- tikums ist einerseits seine antiseptische Wirksamkeit, anderseits die Zytotoxi- zität, d.  h. der hemmende Einfluss auf die Gewebeneubildung in der heilenden Wunde, zu beachten. Als Substanzen mit guter antiseptischer Wirksamkeit und geringer Zytotoxizität, die zur An- wendung in chronischen Wunden ge- eignet sind, haben sich Octenidin oder Polyhexanid herausgestellt (Tab. 1). PVP Jod eignet sich vor allem für akute Wunden vorzüglich als Antisepti- kum [7], da es ein breites Wirkspektrum gegen Bakterien, Pilze, und Viren auf- weist. Die Einwirkzeit beträgt 5 Minu- ten. PVP Jod kann perkutan resorbiert werden [8, 9]. Es ist deshalbVorsicht ge- boten bei Schilddrüsenerkrankungen, bei Säuglingen und Schwangeren. Es sind Resistenzen gegen Staphylokokken und Pseudomonaden bekannt. Claudia Keller-Preisig Universitätsspital Zürich CH-8091 Zürich E-Mail: c.keller@safw.ch

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