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SAfW Wundkompendium

34 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Dekubitus 2 | Spezifische Empfehlungen zu Wundverbänden Die Leitlinien der EPUAP / NPUAP be- inhalten konkrete Empfehlungen zur Behandlung von Dekubitus mit mo- dernen Wundverbänden [4]. Diese be- rücksichtigen einerseits die besondere Wundsituation und andererseits auch die Hautbelastung durch Klebstoffe, Reibung, Feuchtigkeit und Inkontinenz. Anwendungsgebiete und Vorteile von praktisch allen Stoffklassen werden auf die typischen Aspekte bei Dekubi- tus differenziert. Aufgrund fehlender Daten von vergleichenden Studien kann jedoch kein spezifischer Wundverband eine Überlegenheit in der Heilung von Dekubitus aufzeigen. Die Entscheidung zu einem wirksamen, wirtschaftlichen und sicheren Verbandsystem muss auf- grund der individuellen Situation unter Berücksichtigung von multiplen Fak- toren gefällt werden. Traditionelle Ga- zeverbände haben wegen ihrer Eigen- schaften zum Austrocknen der Wun- de und Verkleben mit dem Wundgrund zwar grundsätzlich keinen Stellenwert in der Wundtherapie. Trotzdem kann ihre Verwendung in manchen Situa- tionen sinnvoll sein und darum wer- den sie auch in den neuesten Leitlinien beschrieben und in angepasster Weise empfohlen. Kommentar zur Auswahl der Wundauflage Es benötigt ein hohes Maß an Theo- riewissen und praktischer Erfahrung, um ein funktionierendes und gleichzei- tig wirtschaftliches Verbandsystem für die individuelle Situation beim Deku- lytisches Débridement selbstständig auflösen. Der Verband soll in Kontakt mit dem Wundbett bleiben (C): Dies berei- tet häufig Schwierigkeiten, weil sich Verbände besonders im Gesäßbereich durch Feuchtigkeit und Bewegungen ablösen oder verformen (besonders Schaumstoffverbände können sich kon- vex nach außen „beulen“). Hier bietet die Unterdruck Wundtherapie (NPWT) große Vorteile. Ansonsten sind bei stark exsudativen Wunden aufquellen- de Wundauflagen zu bevorzugen (z.B. Superabsorber, Hydrofaser, Schaum- stoffe). Ein Beispiel von mangelndem Kontakt des Wundverbandes ist in Ab- bildung 5 dargestellt. Hydrokolloidver- bände können nur wenig Wundexsudat aufnehmen und neigen im Gesäßbe- reich zum frühzeitigen Ablösen und Fal- tenbildung. Der Verband muss häufig gewechselt werden ansonsten können Ausscheidungen unter den Verband ge- langen und die Haut und Wunde zusätz- lich schädigen. In dieser Situation kön- nen Hydrokolloidverbände nicht emp- fohlen werden. Die Verwendung von Hautbarrie- re Produkten, welche die Wundumge- bung trocken halten werden empfohlen um eine Mazeration zu verhindern (C): Zum Nässeschutz werden eine Vielzahl von Barriere Cremes und Filme zum Auftragen angeboten. Die sinnvolle An- wendung in der Umgebung von Dekubi- tus sollte auch stets hinterfragt werden. Die Interpretation der Wundumgebung ist mitunter schwierig (s. Abb. 6 und 7). umgesetzt werden kann. Die vollstän- digen Empfehlungen zu Wundauflagen bei Dekubitus sind In den Leitlinien der EPUAP/NPUAP [4] nachzulesen. Im Folgenden werden einige dieser Emp- fehlungen aufgeführt und ihre Praxisre- levanz anhand von Beispielen erörtert: Der Verband soll das Wundbett feucht halten (C): Voraussetzung ist hierzu die Entfernung von avitalem Gewebe (Wundbettvorbereitung). Als wichtige Ausnahme muss hier auch die trockene Nekrose, insbesondere beim Fersendekubitus genannt werden. Die- se wird in der Regel trocken behandelt. Der Verlauf eines Dekubitus Kategorie 2 über ca. 3 Wochen ist in den Abbil- dungen 4 a–c dargestellt. Die feuchte Wundtherapie wurde mittels Schaum- stoffverbänden aufrecht erhalten, wel- che erheblich Exsudat aufnehmen kön- nen. Zu beachten ist, dass Dekubitus in dieser Phase meist viel Wundexsudat produzieren und dadurch auch ohne Feuchtigkeitszufuhr (z. B. Wundgel) der anfänglich trockene Verband sehr schnell eigenbefeuchtet ist. Die Nekro- seauflagerung kann sich so durch auto- Abbildung 4 Verlauf eines Dekubitus der Kategorie 2 über 3 Wochen. a: Nekroseauflagerung(1) mit Hämatom (2). b: Neue Hautläsionen ent- stehen durch Nässe (3). c: Der adhärente Fibrinbelag (4) sollte belassen und feucht behandelt werden und die beginnende Epi- thelisation (5) muss geschützt werden. Abbildung 5 Beispiel eines mangelnden Kontaktes des Wundverbandes zum Untergrund. a b c 1 2 3 4 5

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