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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 31 Dekubitus 2 werden. Präventive Maßnahmen und lokale Wundversorgung sollten dabei nochmals evaluiert werden. Hinweis: Die Auswahl der Spezial- matratzen ist komplex und kann nicht allein auf der Grundlage der Kategorie des Dekubitus bestimmt werden. | Wundreinigung und Débridement Beim Dekubitus gibt es zum Thema Wundreinigung und Débridement ei- nige Besonderheiten zu beachten. Die Prinzipien der Wundbettvorbereitung (TIME Konzept nach EWMA 2004 [2]) gelten zwar allgemein für chronische Wunden, es gilt aber beim Dekubitus je nach Phase und unter Berücksichti- gung der Gesamtsituation Ausnahmen zu machen und die Behandlung anzu- passen. Besonders bei frisch aufgetre- tenen Dekubitus sollte die erste Prio- rität nicht eine aggressive Gewebebe- handlung sein, sondern die optimale Druckentlastung und das Ausschalten weiterer schädigender Faktoren müssen im Vordergrund stehen. Ein Dekubitus ab Kategoie 2 ist zunächst mit einem nicht verklebenden Wundverband zu schützen und soll ohne weitere Trau- matisierungen intensiv beobachtet wer- den. Sich ausbildende Nekrosen sollten anfänglich mit absorbierenden, nicht verklebenden Wundauflagen vor bak- terieller Kontamination geschützt wer- den. Eine chirurgische Beurteilung von nekrotischen Dekubitalulzera ist mög- lichst frühzeitig einzuleiten um das Pro- zedere festzulegen. Empfehlungen der EPUAP/ NPUAP Leitlinien zur Wundreinigung • Der Dekubitus und die umgebende Haut ist bei jedem Verbandwechsel zu reinigen (C) - Heilende, saubere Dekubitus können mit isotonischer Kochsalzlösung oder durch Ausduschen mit Trinkwasser* gereinigt werden (C) - Die Verwendung von Reinigungslö- sungen mit Tensiden und / oder Anti- septika wird bei Dekubitalulzera mit Infektion, Infektionsverdacht oder Verdacht auf ein hohes Maß an bak- terieller Besiedlung empfohlen (C) - Die umgebende Haut soll bei jeder Wundpflege gereinigt werden (B) • Eine Wundspülung bei Dekubitus soll mit genügend Spüldruck durchgeführt werden ohne das Gewebe zu schädi- gen oder Bakterien in die Wunde ein- zuspülen (C) • Generell sollte der Druck zwischen 4 und 15 Pfund pro Quadratzoll (PSI) ausreichen, um die Oberfläche des De- kubitus zu säubern ohne das Gewe- be zu traumatisieren. (Kommentar: Dieser Druck wird z.B. beim Spülen mit einer 50 ml Spritze mit Spülson- de erreicht) • Die verwendete Spüllösung muss hy- gienisch einwandfrei sein, um eine Kreuzkontamination zu vermeiden (C) Dekubitus Kategorie Beschreibung Empfehlung Uneinstufbar/ nicht klassifizierbar: vollständiger Haut oder Gewebeverlust – unbekannte Tiefe Das Beispiel zeigt einen Druckschaden im Sakral-bereich am 5. Tag nach der Erst- dokumentation. Die Hautnekrose und der umgebende Fibrinbelag sind adhärent und können durch die mechanische Wundreini- gung nicht abgelöst werden. Beim Palpieren der umgebenden Haut kann keine Flüssigkeitskollektion festge- stellt werden. Es kommt nur wenig seröses Exsudat ohne Geruch. Druckentlastung und Bewegungsförde- rung haben höchste Priorität. Beim Sitzen muss ein effizientes Spezialkissen einge- setzt werden. Zur Entfernung einer solchen Nekrose gibt es kontroverse Meinungen. Bei gu- ter Beobachtung und geringem Infektrisi- ko ist eine feuchte Wundtherapie mit dem Ziel des auto-lytischen Débridements eine mögliche Option. Eine chirurgische Be- urteilung ist empfehlenswert. Vermutete unbekannte Gewebsschädi- gung – unbekannte Tiefe Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine Gewebetraumatisierung nach Sturz. Bei dem Betroffenen wurde nach Spitalein- tritt eine maligne Erkrankung diagnostiziert und eine Mangelernährung im Labor nach gewiesen. In solchen Fällen ist das Risiko, dass sich ein tiefer Dekubitus ausbildet besonders hoch. Sofortige Druckentlastung mittels Spezial- matratze, zusätzliche Lagerungen und Be- wegungsförderung. Zum Sitzen muss ein geeignetes Hilfsmittel zur Druckentlastung vorhanden sein. Der Transfer im Bett soll besonders um- sichtig erfolgen. Abdeckung der Druckstel- le mit einem sanft haftenden, absorbieren- den Wundverband empfohlen. Tägliche Beurteilung und Dokumentation. Tabelle 3 Zusätzliche Dekubituskategorien nach NPUAP (USA). * Kontroverse zur Verwendung von Trinkwasser: Das Robert Koch Institut in Deutschland und auch der Expertenstandard „ Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ [3] nennen explizit nur sterile Lösungen zur Reinigungen von Wunden. Trinkwasser ist nicht steril. Es kann jedoch durch die Ver- wendung von Sterilfiltern in die nötige mikrobiologische Reinheit gebracht werden.

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