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SAfW Wundkompendium

30 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Dekubitus 2 Spezialmatratzen alleine können weder die Entstehung von Dekubitus verhin- dern, noch die Heilung bewirken. Sie sind als Teil eines Gesamtprogramms zur Prävention und Behandlung entwi- ckelt worden [4]. Wenn Dekubitalulce- ra unter den empfohlenen Lagerungs- maßnahmen sich verschlechtern oder nicht heilen, sollte das Behandlungs- team den Austausch der vorhandenen Auflagefläche mit einer Spezialmatrat- ze oder einem Spezialbett in Erwägung ziehen. Dabei ist die der Wechsel auf ein solches System nur eine von mehreren Strategien, die abzuwägen sind. Die Ge- samtsituation bei der betroffenen Per- son mit Dekubitus muss neu beurteilt Spezialmatratzen zur Dekubi- tusbehandlung Zu diesen Spezialmatratzen zählen: Viskoelastische Schaumstoffe, Wech- seldrucksysteme und Luftstromsyste- me. Bei den Wechseldruckmatratzen wird explizit von Systemen mit „klein- zelligen“ Kammern abgeraten [6]. In einer aktuellen Cochrane Review [6] wurde die Wirkung von verschiedenen Spezialmatratzen in der Behandlung von Dekubitus auf ihre Evidenz vergli- chen und es konnte kein Vorteil eines bestimmten Systems belegt werden. Allerdings wird bei hochgradig gefähr- deten Personen, der frühzeitige Einsatz von Spezialmatratzen empfohlen. lung sind die Abnahme der Exsudat- menge, eine Verringerung der Wund- größe (Ausmessen mit cm-Maß) und die Beobachtung von proliferativem Wundgewebe (Granulation und Epit- helialisation). Die Beurteilung sollte wenn möglich fotografisch gestützt werden. Das initiale Wundfoto und weitere Verlaufsbilder sollten in einer vergleichbaren Standardtechnik ge- macht werden. Eine weiterführende, zukunftsge- richtete Empfehlung betrifft den Ein- satz von zuverlässigen, elektronisch unterstützten Daten-Erfassungsgerä- ten (alles Evidenzstärke C). Dekubitus Kategorie Beschreibung Empfehlung I – nicht wegdrückbare Rötung Zur korrekten Identifizierung dieser Katego- rie ist der so genannten Glasspateltest sehr hilfreich. Der Druck wird mit einer durch- sichtigen Platte angewendet, durch welche das ablassen der Haut beobachtet wer- den kann. Der Dekubitus in diesem Beispiel wurde durch ein Ringkissen verursacht, welches einen Dekubitus verhindern sollte. Konsequente Druckentlastung und scho- nende Hautpflege. Waschen mit saube- rem Wasser ohne Zusätze. Geeignete Pfle- gecreme ohne Reizstoffe verwenden. Kein Wundverband nötig. Ringkissen abschaffen II – Teilverlust der Haut Bei diesem Beispiel sind verschiedene Hautschädigungen erkennbar. Der eigent- liche Dekubitus ist im Sakralbereich mit Ausprägung nach rechts. Die dunkle Ver- färbung kann auf eine tiefe Gewebeschädi- gung hindeuten. Weiter unterhalb über der rechten Gesäßhälfte sind Reibungsspuren durch unsachgemäßes Hochziehen zu er- kennen. Auf der linken Gesäßhälfte sind ty- pische Läsionen und Spannungsblasen durch Pflaster entstanden. Lose Haut über dem Sakralbereich entfer- nen und Hautverfärbung beurteilen. Foto- dokumentation anlegen. Nach der Reini- gung und ggf. Desinfektion sollte ein nicht verklebender, absorbierender Wundver- band angebracht werden. Sparsamer ein- satz von hautfreundlichen Pflastern und schonende Entfernung sind hier sehr wich- tig. Die Wundbeurteilung sollte bis zur ein- deutigen Besserung täglich gemacht wer- den. III – Verlust der Haut Dieser Dekubitus über dem linken Trochan- ter major weist eine ausgeprägte Taschen- bildung auf. Rötung und Mazeration (durch starke Exsudation) in der Wundumgebung weisen auf eine lokale Infektion hin. Die Faszien und Gelenksstrukturen sind jedoch vollständig intakt. Die Situation wird durch eine spastische Lähmung erschwert, wel- che Lagerungsmassnahmen zum Teil ver- unmöglichen. Gründliche Diagnostik zum Ausschluss einer Gelenks und -Knochenbeteiligung sind wichtige Voraussetzung für die wei- tere Behandlung. Der sofortige Einsatz einer Spezialmatratze unterstützt sowohl die Wundheilung wie auch die Rezidivpro- phylaxe. Lokaltherapeutisch stehen das chirurgische Débridement und weitere Maßnahmen zur plastischen Deckung im Vordergrund IV – Vollständiger Haut- oder Gewebeverlust Der Dekubitus im Sakralbereich besteht seit mehreren Monaten und lässt keine Hei- lungstendenz erkennen. Hinweise für eine kritische Kolonisation oder Infektion sind blasses und bröckeliges Granulationsge- webe, starke Exsudation und Übelgeruch. In den tiefen Wundtaschen und -Gängen kann bis auf die Knochenstruktur sondiert werden. Die Gesamtsituation ist erschwert durch Mangelernährung bei einer chroni- schen Erkrankung im Endstadium. Die Behandlung wird auf die Gesamtsitua- tion und die Ziele der Betroffenen und den Angehörigen abgestimmt. Lokaltherapeu- tisch stehen Massnahmen zur Symptom- linderung im Vordergrund. Eine chirurgi- sche Intervention muss für die Sanierung besprochen werden. Zur Geruchskontrol- le bewähren sich antimikrobielle Wundver- bände und absorbierende Auflagen mit Ak- tivkohle. 
 Tabelle 2 Praxisbeispiele zur Einschätzung von Dekubitus.

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