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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 29 Dekubitus 2 • Eine komplette Gesundheits- medizi- nische und Sozialanamnese • Eine gezielte körperliche Untersu- chung, die beinhaltet: - Faktoren, welche die Heilung beein- trächtigen (z. B. Perfusion, Empfin- dung, Infektion) - Beurteilung der Gefäßsituation bei Dekubitus an den Extremitäten (z. B. Claudicatio-Symptome und Knöchel- Arm-Index oder Zehen Druck) - Laboruntersuchungen und Röntgen- aufnahmen nach Bedarf • Ernährungsassessment • Schmerzen im Zusammenhang mit Dekubitus • Risiko für die Entwicklung zusätzli- cher Dekubitus • Psychische Gesundheit, Verhalten und Kognition • Soziale Situation und finanzielle Unter- stützung • Funktionelle Kapazität, insbesondere im Hinblick auf Positionierung, Hal- tung und die Notwendigkeit von Lage- rungshilfsmitteln. • Der Einsatz von druckentlastenden La- gerungen • Die Einhaltung der druckentlastenden Maßnahmen • Die Eignung von Sitzgelegenheiten und Matratzen und das Erkennen von Ab- nutzung der Materialien Empfehlungen zur Dekubitusklassifizierung der EPUAP/ NPUAP • Ein valides Klassifikationssystem [4] ist zu benutzen, welches ausschließ- lich zur Dekubituseinschätzung kon- zipiert ist (C). • Bei der Dekubitusbeurteilung von dun- kelhäutigen Personen müssen zusätz- liche Einschätzungskriterien benutzt werden. Das Fachpersonal muss für die korrekte Einschätzung bei diesem Hauttyp gesondert geschult werden (B). • Die Schulung von professionellem Per- sonal muss die Differenzierung von Druckgeschwüren gegenüber ande- ren Arten von Wunden (z. B. Inkonti- nenz-assoziierte Dermatitis, Hautrisse und Intertrigo) beinhalten (C). • Es ist notwendig das Fachpersonal über eine angemessene Verwendung des Klassifikationssystems und der ver- schiedenen Erscheinungsformen und Gewebetypen bei Dekubitus zu schu- len (B). • Die klinische Einschätzung des Fach- personals soll durch Expertenbeurtei- lung in der Praxis bestätigt werden (B). • DruckgeschwüreanSchleimhäutensol- len nicht mit Dekubitus Klassifikations- systemen eingeschätzt werden (C). Praxisbeispiele zur Einschätzung von Dekubitus: In der Tabelle 2 sind die Beispiele zur Einschätzung von Dekubitalulzera ver- schiedener Kategorien angeführt. Die zusätzlichen Dekubituskate- gorien nach NPUAP-Standard aus den USA sind in Tabelle 3 dargestellt. Oft kommt es auch zu Fehleinschät- zungen durch Verwechslungen. Hierzu werden Beispiele in Tabelle 4 gezeigt. | Assessment und Kontrolle der Wundheilung Die Leitlinien der EPUAP / NPUAP empfehlen ein initiales Assessment und die Neubeurteilung [4], wenn zu erwar- tende Heilungsfortschritte ausbleiben. Initiales Assessment beinhaltet: • Die individuellen und familiären Ziele der Pflege. Wenn die betreffende Per- son nicht in der Lage ist sich zu betei- ligen, sollen diese mit der den Bezugs- personen aufgestellt werden • Das Wissen der pflegenden Angehö- rigen über die Entwicklung und Hei- lung von Dekubitus (Evidenzstärke = C) Neubeurteilung wenn es keine Anzei- chen eines Heilungsfortschrittes gibt, obwohl eine adäquate Wundversorgung, Druckverteilung und Ernährung dies er- warten lässt (C): • Bei adäquater Therapie sollten inner- halb von 2 Wochen Zeichen der Hei- lung eintreten (B) • Die Erwartungen sollten angepasst werden wenn mehrere Faktoren (vor allem unveränderbare Faktoren) die Wundheilung negativ beeinträchti- gen (z.B. anhaltende Unterernährung, schlechte Durchblutung, und Komor- biditäten) (B) • Die betroffene Person und seine Fami- lie sollten über den normalen Heilungs- prozess und die Fortschritte (oder das Fehlen des Fortschritts) verständlich unterrichtet werden (C) | Methoden zur Heilungskontrolle Die Empfehlungen beruhen im We- sentlichen auf einer professionellen Wundbeurteilung- und Dokumentation [4]. Wichtige klinische Beurteilungs- kriterien für eine fortschreitende Hei- Abbildung 1 Themen der EPUAP/NPUAP-Leitlinien. 4 · Wund Management Sonderheft 3/2012 tuellsten internationalen Leitlinien zur Dekubitustherapie werden durch die EPUAP / NPUAP in englischer Sprache zur Verfügung gestellt [4]. Die Kurzfas- sung (Quick Reference Guide) kann auf der Webseite der epuap.org herunter- geladen werden und beinhaltet die Ka- pitel, die in Abbildung 1 zusammenge- fasst sind. Diese Grafik ermöglicht einen Über- blick über die Vielfalt und Komplexität der Dekubitusbehandlung. Die folgen- de Zusammenfassung orientiert sich an dieser Leitlinie mit dem Ziel einer pra- xisnahen Interpretation. Eine vollstän- dige Übersetzung und Bearbeitung des gesamten Inhaltes ist im Rahmen die- ser Arbeit jedoch nicht möglich. Darum werden wichtige Neuerungen heraus- gestellt und Kernpunkte der Beurtei- lung und Therapie auch durch Bildbei- spiele verdeutlicht. Evidenzstärke der jeweiligen Empfehlungen Die Empfehlungen der EPUAP / NPU- AP Leitlinie werden in die Stärkegra- de A/ B/C unterteilt [4]. Die englischen Originaltext si übersetzten Empfehlunge im Folgenden mit diesen Bu Stefan Baum, Dipl. Wundexperte SAfW Interdisziplinäres Wundmanagement Luzerner Kantonsspital Luzern E-Mail: stefan.baum@luks.ch Klassifikation von Dekubitus Bewertung und Kontrolle der Wund- heilung Die Rolle der Ernährung bei Dekubitus Schmerz- erfassung und Schmerz- management Spezial- matratzen zur Behandlung von Dekubitus Wundreinigung Debridement Wundauflagen Beurteilung und Be- handlung von Infektionen Bio- physikalische- Methoden zur Dekubitus- behandlung Biologische- Methoden zur Dekubitus- behandlung Wachstums- faktoren zur Dekubitus- behandlung Chirurgie beim Dekubitus Palliativ- pflege von Menschen mit Dekubitus ubitus_2.indd 4

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