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SAfW Wundkompendium - 28 Empfehlungen zur Dekubitusbehandlung

28 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Dekubitus 2 Empfehlungen zur Dekubitusbehandlung S. Baum, D. von Siebenthal | Einführung In der Literatur gibt es eine Reihe wi- dersprüchlicher Behandlungsempfeh- lungen zum Thema Dekubitus. Schon die Frage ob eine Nekrose trocken oder feucht behandelt wird und ob sie möglichst schnell und radikal débri- diert werden muss oder das schonende autolytische Débridement sinnvoller ist, wird auch unter Experten kontrovers diskutiert. Zudem erweist sich die un- überschaubare Anzahl von Wundaufla- gen und deren Kombinationsmöglich- keiten bei der Lokaltherapie als echte Herausforderung. Dazu sind Weisheiten wie: „Sie dürfen alles auf einen Deku- bitus tun, nur nicht den Patienten“ si- cher nicht ganz falsch, aber auch nicht besonders hilfreich. Die momentan ak- tuellsten internationalen Leitlinien zur Dekubitustherapie werden durch die EPUAP / NPUAP in englischer Sprache zur Verfügung gestellt [4]. Die Kurzfas- sung (Quick Reference Guide) kann auf der Webseite der epuap.org herunter- geladen werden und beinhaltet die Ka- pitel, die in Abbildung 1 zusammenge- fasst sind. Diese Grafik ermöglicht einen Über- blick über die Vielfalt und Komplexität der Dekubitusbehandlung. Die folgen- de Zusammenfassung orientiert sich an dieser Leitlinie mit dem Ziel einer pra- xisnahen Interpretation. Eine vollstän- dige Übersetzung und Bearbeitung des gesamten Inhaltes ist im Rahmen die- ser Arbeit jedoch nicht möglich. Darum werden wichtige Neuerungen heraus- gestellt und Kernpunkte der Beurtei- lung und Therapie auch durch Bildbei- spiele verdeutlicht. Evidenzstärke der jeweiligen Empfehlungen Die Empfehlungen der EPUAP / NPU- AP Leitlinie werden in die Stärkegrade A/ B/C unterteilt [4]. Die aus dem eng- lischen Originaltext sinngemäß über- setzten Empfehlungen werden im Fol- genden mit diesen Buchstaben gekenn- zeichnet und kursiv dargestellt. Dazu werden jeweils Kommentare und Bei- spiele der Autoren dieses Kapitels ein- gefügt. Die EPUAP-Empfehlungen basieren auf der aktuellen Forschung und werden in der Zukunft angepasst werden müssen, wenn neue Evidenzdaten veröffentlicht werden. Die zukünftige Forschung soll- te sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen Evidenz fehlt oder schwach ist. | Die Einschätzung von Dekubitus Die korrekte Einschätzung eines Haut- schadens setzt ein hohes Maß an Fach- wissen voraus. Daher wird im Experten- standard zur Pflege von Menschen mit chronischen Wunden [3] empfohlen, die Erstbeurteilung einer Wunde gemein- sam mit einer pflegerischen Fachex- pertin durchzuführen. Die Schwierig- keiten der korrekten Einschätzung von Dekubitus offenbaren sich im Praxis- alltag häufig. Bei der Beurteilung von Hautschäden können selbst erfahrene Fachpersonen teilweise zu unterschied- lichen Resultaten kommen [1]. Insbeson- dere die Unterscheidung zwischen De- kubitus und Inkontinenzläsionen, wer- den von einem Großteil der diplomierten Pflegenden nicht korrekt erfasst [2]. Er- schwerend kommt auch die Vielzahl an unterschiedlichen Einschätzungsinstru- menten und Klassifizierungssystemen hinzu [7]. Aufgrund der beschriebenen Probleme sollten Personalschulungen mit interaktiven Trainingsmethoden zur korrekten Dekubituseinschätzung durchgeführt werden. Auf www.puclas. ugent.be/puclas/d/ kann die Einschät- zung online geübt werden. Die Konse- quenzen einer korrekten Differenzie- rung werden bei der unterschiedlichen Lokaltherapie deutlich sichtbar. „Echte“ Dekubitalulcera benötigen primär eine Druckentlastung und in der Regel eine phasengerechte, feuchte Wundthera- pie. Währendessen werden Läsionen, die durch Nässe und / oder Inkontinenz entstanden sind, mit Maßnahmen zur Austrocknung und Barriere Hautpflege- mitteln behandelt. Eine semiokklusive Feuchttherapie wie beim Dekubitus, ist hier meist ungeeignet. Stefan Baum, Dipl. Wundexperte SAfW Interdisziplinäres Wundmanagement Luzerner Kantonsspital Luzern E-Mail: stefan.baum@luks.ch Tabelle 1 EPUAP/NPUAP Evidenzstärke für Leitlinienempfehlungen. Evidenz Beschreibung A Die Empfehlung wird durch die direkte wissenschaftliche Evidenz unter- stützt von korrekt konzipierten und kontrollierten Studien, welche bei Men- schen mit Dekubitus (oder mit Dekubitusrisiko), durchgeführt wurden. Die statistischen Resultate dieser Studien kommen zum einheitlichen Schluss, welcher die Empfehlungen unterstützt (Level 1 Studien erforderlich) B Die Empfehlung wird durch die direkte wissenschaftliche Evidenz unter- stützt von korrekt konzipierten klinischen Fallserien, welche bei Menschen mit Dekubitus (oder mit Dekubitusrisiko), durchgeführt wurden. Die statisti- schen Resultate dieser Fallserien kommen zum einheitlichen Schluss, wel- cher die Empfehlungen unterstützt (Level 2, 3, 4, 5 Studien). C Die Empfehlung wird durch indirekte Evidenz unterstützt (z. B. Studien bei normalen menschlichen Versuchspersonen, Menschen mit anderen Arten von chronischen Wunden, Tiermodelle) und / oder Expertenmeinung.

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