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SAfW Wundkompendium

26 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Dekubitus 1 risiko und schlechterer Wundheilung in Verbindung gebracht [5,29]. Die Leit- linien empfehlen, Mangelernährung systematisch zu erfassen und zu thera- pieren, obwohl ein Nachweis des kau- salen Zusammenhangs schwierig zu erbringen ist [13,14,16]. |Diskussion Die kausalen Zusammenhänge der Dekubitusentstehung werden als hoch komplex definiert [22] und sind er- staunlicherweise noch wenig erforscht. Laut Expertengruppe DNQP besteht ein Zusammenhang zwischen Pflege- abhängigkeit und Dekubitusrisiko. „Je stärker eine Person auf pflegerische Unterstützung angewiesen ist, bzw. je stärker ihre Gesundheit beeinträchtigt ist, desto höher ist ihr Dekubitusrisiko“ [13]. Lahmann et al. (2011) [24] gehen davon aus, dass die Tiefenkategorien von Dekubitus unterschiedlichen Ätio- logien zugrunde liegen. Kategorie III / IV Dekubitus sind laut diesen Autoren auf Druck zurückzuführen und sind mit den Bradenskala Items „Sensorisches Empfindungsvermögen“, „Aktivität und Mobilität“ einschätzbar. Hier würde demnach die klassische Druckentlas- tung indiziert sein. Dekubituskategorie II ist mit den Braden-Items Feuchtigkeit, Reibe und Scherkräfte vereinbar. Hier würden eher Ansätze des Kontinenz- managements, der Hautpflege und der Transfertechniken zum Tragen kom- men. Dekubitus I wird zudem auch als eigentlicher Indikator für Dekubitusge- fährdung diskutiert. Die meisten englisch sprachigen Leitlinien reduzieren Dekubitus auf „Pressure Ulcer“ „Druckulcus“ und implizieren damit, dass es sich bei die- sen Wunden um die ausschließliche Folge durch Druck handelt. Hier könn- ten neuere Konzepte wie dasjenige der ETH / EMPA, die sogenannt intelligen- te Pflegebetten mit Bewegungssenso- ren entwickeln oder Systeme mit Mi- kro-stimulations-Unterlagen interes- sant werden [27]. Dekubitus wird durch eine HTA-Arbeit [15] als eine Begleit- erkrankung einer Vielzahl von Mobili- täts-einschränkenden Erkrankungen oder Therapien sowie Mangelerkran- kungen oder toxischen Schädigungen der Haut definiert. Die Haut wird als das Knoten, die zu erhöhtem Druck führen können. Bei hochflorigen Schaffellen, ist die Datenlage noch nicht ganz ge- klärt [13]. Ringe haben zwei Nachtei- le: An den Auflagestellen verursachen sie hohen Druck, der an diesen Stellen zu Druckstellen führen kann. Der Ab- fluss von Schlackenstoffen oder Gewe- beflüssigkeit ist durch den zirkulären Abschluss reduziert. Dies führt zu Öde- men und nachfolgend zu einer Minder- perfusion dieses Gewebes. Bei Wasserhandschuhen unter den Fersen werden als größtes Problem das Verrutschen und die Gefahr, dass die Ferse auf dem Verschlussknoten zu lie- gen kommt, genannt. Hautverhältnisse Das Erfassen der Hautverhältnisse und deren Veränderungen beinhaltet das Assessment von Läsionen, Hautfeuch- tigkeit durch Inkontinenz, Intertrigo, Mykosen, aber auch Hauttrockenheit, Rötungen, und Verhärtungen. Patienten die bereits einen Dekubitus aufweisen, sind als gefährdet für weitere Dekubi- tus einzustufen. Es wird empfohlen, gefährdete Hautareale zur Prävention von Dekubitus weder zu massieren noch durch Reiben oder Frottieren zusätzlich zu schädigen. Hautpflege mit hydrati- sierenden und schützenden Emulsionen wird empfohlen. Wann immer möglich sollten bereits gerötete Körperstellen solange nicht belastet werden, bis sie wieder die normale Hautfarbe ange- nommen haben [13,16]. Mangel-Ernährung Auch in Ländern mit einer hohen Le- bensqualität ist Mangelernährung häu- fig und nimmt mit dem Alter zu. Ers- te Schlüsselfragen, um Mangelernäh- rung zu erfassen, lauten banal: „ Wie ist der Appetit?“, „haben Sie in letzter Zeit Gewicht verloren?“. Eine Mangel- oder Unterernährung wird als unab- hängiger Risikofaktor, der alle wesent- lichen klinischen Parameter signifikant beeinflussen kann, bewertet. Er wirkt sich negativ auf alle Organsysteme aus und führt zu einer erhöhten Morbidität und schlussendlich zu Mortalität [20]. Ernährungsdefizite werden praktisch immer mit einem erhöhten Dekubitus- Lediglich das Intervall kann hier je nach Situation angepasst werden. Eine bereits ältere Untersuchung weist zudem darauf hin, dass sehr wei- che Matratzen zu Körperschemaver- lust, damit zu Orientierungsverlust und nachfolgend zu Verwirrtheit füh- ren können [21]. Die EPUAP Leitlinien empfehlen, dass für Patienten mit einer Dekubitusgefährdung Spezialmatrat- zen anstelle von Spital-Standardmat- ratzen verwendet werden. Die Schwie- rigkeit ist, dass „Standard“ nicht defi- niert ist (resp. in Studien nicht dekla- riert wird). Zudem kann gesagt werden, dass die Entwicklung von sogenannt druckverteilenden (visco-elastischen) Matratzen „ohne Nebenwirkung“ von der Industrie vorangetrieben wird. Es besteht häufig in der Praxis ein Klä- rungsbedarf, wer sich ins Thema Ma- terialkunde bezüglich Matratzen ver- tieft hat (oder wer dies tun müsste), und wie die Kriterien bei der Anschaffung von Spital (Standard) Matratzen aus- sehen. Aufgrund der Literatur und der Kostenrelevanz würden sich fundierte konzeptionelle Überlegungen lohnen. Für Hochrisiko Patienten, bei denen kei- ne Positionsveränderung durchgeführt werden kann, werden aktive Auflagen / Matratzen empfohlen, da sie die Druck- verteilung verändern. Aktueller Konsens ist, dass nicht nur die Dekubitusgefährdung für die Wahl einer Matratze oder Matratzen- auflage ausschlaggebend sein sollte. Wichtig sind ebenso Eigenbewegung, Präferenz und das Wohlbefinden des Patienten. Sagt ein Patient etwas Ähn- liches wie: „Auf dieser Wechseldruck- Matratze fühle ich mich, als würde ich auf Bahnschienen liegen“ besteht drin- gender Handlungsbedarf. Auch das Setting der Situation (Ambulant / Sta- tionär, Akut / Langzeit) spielt eine wich- tige Rolle, was sinnvoll und möglich ist. Bei Matratzenauflagen ist zudem die Gesamthöhe des Matratzensystems in Relation zum Ausrollschutz des Bettes zu beachten um bei potentiell verwirr- ten, sturzgefährdeten Patienten Stürze aus dem Bett zu vermeiden. Von Ringkissen, Fellen oder Was- serhandschuhen wird abgeraten, da sie Limitationen in ihrer Anwendung haben. Vor allem bei synthetischen Fellen entstehen nach dem Waschen

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