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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 25 Dekubitus 1 keiten der Bewegungsförderung und eine Evaluation der Bewegungsförde- rung beinhalten [13]. Hier ist eine phy- siotherapeutische Unterstützung von großer Bedeutung. Die klinische Erfah- rung zeigt, dass vor allem dem physio- logischen, ergonomischen Sitzen von hilfebedürftigen und schwachen Pa- tienten noch wenig Bedeutung beige- messen wird (die Pflege wird dazu auch nicht ausgebildet). Ebenfalls scheint es wenig bewusst, dass Sitzen sehr ermü- dend sein kann und für das Gesäßei- ne höhere Druck-Belastung bedeutet. Bewegungsförderung heißt entspre- chend auch patientenzentrierte Anrei- ze zu schaffen, damit sich Patienten be- wegen möchten und können. Benötigt ein Patient Hilfe um sich bewegen zu können, sollte dies laut Expertenstan- dard unter Berücksichtigung einer ad- äquaten Schmerztherapie und einem individuellen schriftlich festgehaltenen Bewegungsplan erfolgen. Die „ generell zweistündliche Lagerung“ gilt als nicht mehr zeitgemäß, kann aber als Aus- gangspunkt zum individuellen Intervall benutzt werden. Individuell angepasst bedeutet den Einbezug von: • dem individuellen Dekubitusrisiko des Patienten • den therapeutischen und pflegeri- schen Zielen • den individuellen Möglichkeiten der Eigenbewegung des Patienten. kubitus führen, umfassen. Diese Ab- kehr der bisherigen Empfehlungen der Benutzung einer Einschätzungsskala bedeutet eine Herausforderung für die Praxis und wird derzeit heftig disku- tiert. Es ist nachvollziehbar, dass die- jenigen Patienten das höchste Risiko für Druckschäden haben, bei denen es zu keiner Entlastung des Drucks auf die Haut kommt. Baharestani et al. (2010) nennen hier als wichtigen ers- ten Schritt zur Abklärung eines (ho- hen) Risikos die Frage: „Kann der Pa- tient Druck spüren und selbst die Lage verändern oder andere bitten, umgela- gert zu werden?“ Die Fähigkeit, diesen Schlüsselpunkt korrekt einschätzen zu können, wird vom gesamten Gesund- heitspersonal gefordert [5]. So banal die Empfehlung der individuellen Er- fassung scheint ist sie nicht: Bedeutet sie doch, ein spezifisches Wissen zur Dekubitusentstehung, respektive den Einflussfaktoren zu haben und sich der sich potentiell kumulierenden Faktoren bewusst zu sein. „Weitere Informatio- nen liefert eine allgemeine Patientenbe- urteilung“. So kann z. B. eine reduzier- te Gewebsdurchblutung, eine schlech- te Ernährung oder erhöhte Hauttem- peratur einen Patienten anfälliger für die Wirkung von Druck machen. Einige dieser Faktoren erhöhen das Dekubi- tus-Risiko durch Reduktion der Haut- und Gewebetoleranz gegenüber Druck oder Verstärken die Auswirkungen von Scherkräften[5]. Eine weitere Heraus- forderung ist es, den erforderlichen Be- darf an Pflege in praktikable, zeitnahe präventive Handlungen im Pflegealltag umzusetzen. Mobilität und Aktivität Die Expertengruppe des DNQP [13] empfiehlt primär das Assessment von Aktivität und Mobilität um die Anfäl- ligkeit gegenüber Druck zu erfassen (Tab. 5). Eigenbewegung und Posi- tionsveränderungen Die Druckentlastung ist ein primäres Ziel der Dekubitusprophylaxe. Das As- sessment sollte deshalb die Analyse von Bewegungseinschränkungen und – Ressourcen des Patienten, Möglich- Druckverteilende Hilfsmittel Um das Dekubitusrisiko zu vermindern, ist es wichtig, die Dauer und das Aus- maß von Druck, dem der Patient / die Patientin ausgesetzt ist, zu reduzie- ren [16]. Zur Entlastung der Haut und des darunterliegenden Gewebes gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die Druckentlastung und die Druck- verteilung. Bei der ersteren geschieht die Ent- lastung durch Freilagern eines Körper- teils zum Beispiel der Fersen. Diese Ent- lastung kann aber zur vermehrten Be- lastung anderer Körperregionen füh- ren, zum Beispiel der Achillessehne, oder, wenn die Beine als Ganzes hoch gelagert werden, auch des Sakrums. Das bedeutet, dass beim Freilagern kei- ne punktuell neuen hohen Druckpunkte geschaffen werden dürfen und die Ge- fährdung anderer Körperregionen mit- einbezogen werden muss. Die Druckverteilung basiert einer- seits auf einer Positionsveränderung, die manuell oder automatisch erfolgen kann, andererseits auf einer Vergröße- rung der Auflagefläche. Die Positions- veränderung soll die gesundheitliche Situation des Patienten und der verwen- deten Unterlage mit einbeziehen. So- wohl die automatische Druckumver- teilung mit Wechseldruckmatratzen als auch die Weichlagerung entbinden da- bei nicht vom Bewegen des Patienten. Tabelle 5 Ursache für erhöhte und / oder verlängerte Einwirkung von Druck und/oder Scher- kräften (Aus Expertenstandard Dekubitus Aktualisierung DNQP, 2010) Auswirkung auf Aktivität Auswirkung auf Mobilität Wirkung von Druck • Einschränkung der Aktivi- tät ( Ausmaß, in dem sich jemand von einem Ort zu einem anderen bewegt) • Einschränkungen können sein (Auswahl): • Abhängigkeit - von Gehhilfsmitteln oder personeller Unterstützung beim Gehen - beim Transfer - von Rollstuhl bei der Fortbe- wegung im Raum • Bettlägerigkeit • Einschränkungen der Mo- bilität (Ausmaß, in dem je- mand seine Körperposi- tion wechselt) • Einschränkungen können sein (Auswahl): - Abhängigkeit von perso- neller Unterstützung bei Lagewechsel im Bett - Kaum oder keine Kontrol- le über Körperposition im Sitzen oder Liegen - Unfähigkeit zu selbststän- digen kleinen Positions- veränderungen (Mikro- bewegungen) im Liegen oder Sitzen • Extrinsische bzw. iatro- gen bedingte Exposition gegenüber Druck und/ oder Scherkräften durch (Auswahl): - Auf die Körperoberfläche eindrückende Kathe- ter, Sonden oder Gegen- stände die sich unter dem Patienten befinden - Nasale Tuben - Zu fest oder schlecht sit- zende Schienen oder Verbände, Prothesen - unzureichende druckver- teilende Hilfsmittel für die Positionierung/Lagerung - länger dauernde Opera- tionen

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