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SAfW Wundkompendium

Wund Management Sonderheft 3/2012 · 23 Dekubitus 1 angenehme Lagepositionen und das Wecken in der Nacht für Positionsver- änderungen erlebt. Der deutsche Ex- pertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden [14] nennt aber als das vordringlichste Thema das Schmerzerleben der Patienten mit De- kubitus. Ein Schmerzauslöser dabei ist die Wundversorgung. Schmerzen wer- den laut Studienlage unabhängig von der Dekubitustiefe und der –lokalisati- on empfunden. Eine wesentliche Rolle scheinen zudem die Bewegungsmus- ter zu spielen: Zum Beispiel kann Sit- zen oder Bewegungsförderung sowie das Liegen auf Wechseldruckmatrat- zen Schmerzen verstärken. Eine Stra- tegie Schmerzen zu vermeiden ist, sich möglichst nicht zu Bewegen, was einem eigentlichen Teufelskreis entspricht. | Definition der Dekubitus- klassifizierung nach Tiefengraden Der Schweregrad eines Dekubitus wird über seine Tiefe definiert. Eine der bekanntesten Klassifizierung in den deutschsprachigen Ländern ist diejeni- ge von O. Seiler, der sich auf Shea JD, 1975 bezieht [29]. In den letzten Jahren wurde indessen die Einteilung eines weltumspannenden Expertengremiums für Druckgeschwüre der EPUAP / NPU- AP als die international anerkannte Ein- teilung übernommen (Abb. 2 und 3). Dies kommt zum Beispiel in der ICD- 10-GM-Einteilung und den Experten- standards des Deutschen Netzwerkes für Qualitätsentwicklung in der Pflege [13,14] zum Ausdruck. Als Neu gilt in der aktuellen Version der EPUAP/NPUAP Leitlinie [16], dass anstelle von Tiefengraden von Tiefenka- tegorien gesprochen wird. Begründet wird dies damit, dass der Begriff „Ka- tegorie“ keine Hierarchie oder Progres- sion ausdrückt und man davon weg- kommen will den Eindruck zu erwe- cken, dass ein Dekubitus von I nach IV fortschreitet oder von IV nach I heilt. Entsprechend der EPUAP [16] wer- den Dekubitus in vier Kategorien ein- geteilt: Kategorie I: Nicht wegdrückbare Rötung Nicht wegdrückbare, umschriebene Rötung bei intakter Haut, gewöhnlich über einem knöchernen Vorsprung. Bei dunkel pigmentierter Haut ist ein Abblassen möglicherweise nicht sicht- bar, die Farbe kann sich aber von der umgebenden Haut unterscheiden. Der Bereich kann schmerzempfindlich, verhärtet, weich, wärmer oder kälter sein als das umgebende Gewebe. Diese Symptome können auf eine (Dekubitus-) Gefährdung hinweisen. Kategorie II: Teilverlust der Haut Teilzerstörung der Haut (bis in die Der- mis/Lederhaut), die als flaches, offenes Ulcus mit einem rot bis rosafarbenen Wundbett ohne Beläge in Erscheinung tritt. Kann sich auch als intakte oder of- fene/rupturierte, serumgefüllte Blase darstellen. Manifestiert sich als glän- zendes oder trockenes, flaches Ulcus ohne nekrotisches Gewebe oder Blut- erguss*. Diese Kategorie sollte nicht be- nutzt werden um Skin Tears (Gewebe- zerreißungen), verbands- oder pflaster- bedingte Hautschädigungen, feuchtig- keitsbedingte Läsionen, Mazerationen oder Abschürfungen zu beschreiben. Kategorie III: Verlust der Haut Zerstörung aller Hautschichten. Sub- kutanes Fett kann sichtbar sein, jedoch keine Knochen, Muskeln oder Sehnen. Es kann ein Belag vorliegen, der je- doch nicht die Tiefe der Gewebsschä- digung verschleiert. Es können Tun- nel oder Unterminierungen vorliegen. Die Tiefe des Dekubitus der Kategorie/ Stufe/Grad III variiert je nach anatomi- scher Lokalisation. Der Nasenrücken, das Ohr, der Hinterkopf und das Ge- hörknöchelchen haben kein subkuta- nes Gewebe, daher können Kategorie III Wunden dort auch sehr oberfläch- lich sein. Im Gegensatz dazu können an besonders adipösen Körperstellen extrem tiefe Kategorie III Wunden auf- treten. Knochen und Sehnen sind nicht sichtbar oder tastbar. Kategorie IV: vollständiger Haut oder Gewebeverlust Totaler Gewebsverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. Belag und Schorf können vorliegen. Tunnel oder Unterminierungen liegen oft vor. Die Tiefe des Kategorie IV Dekubitus hängt von der anatomischen Lokalisa- tion ab. Der Nasenrücken, das Ohr, der Hinterkopf und der Knochenvorsprung am Fußknöchel haben kein subkutanes Gewebe, daher können Wunden dort auch sehr oberflächlich sein. Katego- rie IV Wunden können sich in Muskeln oder unterstützende Strukturen aus- breiten (Faszien, Sehnen oder Gelenk- kapseln) und können dabei leicht Os- teomyelitis oder Ostitis verursachen. Knochen und Sehnen sind sichtbar oder tastbar. Zusätzliche Dekubituskatego- rien nach NPUAP (USA) Da die Einschätzung gerade bei nicht eröffneten Dekubitus schwierig und in *Blutergüsse weisen auf eine tiefe Gewebs- schädigung hin. Abbildung 3 Zusätzliche neue Dekubituskategorien nach NPUAP.

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