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SAfW Wundkompendium

22 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Dekubitus 1 ringer ist, fällt die deutliche verlängerte Zeitspanne auf. Nicht ersichtlich ist da- bei die Auswirkung auf die nicht (mehr) im Arbeitsprozess integrierten Perso- nen. Ob die Arbeitsunfähigkeits-Rate aufgrund von Dekubitus in der Schweiz ähnlich ist, kann nicht gesagt werden, da hierzu keine Daten gefunden wur- den. Für die krankheits-unspezifische Arbeitsunfähigkeitsdauer scheinen die Daten allerdings vergleichbar zu sein: Laut der Bundesämter für Statis- tik der Schweiz [11] und Deutschland [18] beträgt die durchschnittliche ge- sundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit rund 11 Tage. In der Schweiz wird all- gemein von 1000,- SFr. pro Arbeitsun- fähigkeitstag ausgegangen. Demnach könnte pro Dekubitus-Fall von durch- schnittlich 30.000.-SFr. indirekten Kos- ten bei Personen im arbeitsfähigen Al- ter abgeleitet werden. Intangible Kosten Neben direkten und indirekten Kosten entstehen auch Kosten die nicht direkt in Geldwerten berechnet werden kön- nen. Dazu zählen die aus der Erkran- kung resultierenden Einschränkungen wie Schmerz, Depression oder der Ver- lust von Lebensqualität. Bei Patienten mit Dekubitus wird eine Verschlech- terung der Lebensqualität, niederge- schlagene Stimmungslage, Ängste Frustration und Schuldgefühle der Be- troffenen und ihren Angehörigen be- schrieben [14, 26]. Einschränkung der Selbständigkeit, der sozialen Kontakte oder eine Verminderung des Selbst- wertgefühls können weitere Folgen von Dekubitus sein. Belastend werden un- zwei Monaten durch die Erkrankung an einem Dekubitus in Deutschland und jährliche direkte Kosten von 196,3 Mio. €. Tiefere Kosten berechnet eine fallbezogenen Analyse (35 Pat/35 De- kubitus) in einer multizentrischen pro- spektiven ökonomischen Studie [2], die von 1999 bis 2001 in Deutschland durchgeführt wurde. Sie beschreibt für die Behandlungsdauer von 3 Mo- naten durchschnittlich 991 € direkte Kosten pro Patient (52 €/d). Davon 313 € Personalkosten, 618 € Verbrauchsma- terial und 60 € für chirurgische Maß- nahmen. Pro Verbandwechsel wurden durchschnittlich 20 € errechnet. Aller- dings geben diese Autoren an, dass in der berechneten Zeit nur 5 der 35 Deku- bitus abgeheilt waren (14,3 %). Bei acht Patienten (22,8 %) wurde in der drei- monatigen Beobachtungsperiode eine Verbesserung beschrieben. Bei 20 Pa- tienten (57 %) wurden keine Heilungs- fortschritte und bei zwei (5,8 %) eine Verschlechterung der lokalen Wundsi- tuation beobachtet. Indirekte Kosten Darunter werden hier Kosten die durch Arbeitsunfähigkeit (AU) von Personen die im Berufsleben sind, verstanden. Das Statistische Bundesamt in Deutsch- land [18] zeigt, dass bei den im Jahr 2010 rund 17.735.000 ICD-10 codierten Krankheitsfällen die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit im Jahr 12 Tage be- trägt. Aufgrund eines Dekubitus waren Erkrankte 2010 durchschnittlich fallbe- zogen 30 Tage arbeitsunfähig. Obwohl die Anzahl der Arbeitsausfälle wegen Dekubitus nachvollziehbar sehr viel ge- einer konvexen knöchernen Struktur, die nicht mit Fettgewebe bedeckt ist, (Ferse, Sakrum), ist die Gewebeschädi- gung voraussichtlich tief und konisch, das heißt die Schädigung reicht in der Regel bis auf die knöcherne Struktur, ist aber in der Tiefe weniger ausgedehnt als an der Oberfläche. Bei Körperstel- len mit viel Fettgewebe (Sitzbein, Tro- chanter) präsentiert sich ein Dekubitus meist oberflächlich sehr viel kleiner als in der Subcutis, resp. unter der Faszie. In der Regel wird dann von „Taschen- bildung“ gesprochen. Dieses Phänomen wird durch die physikalischen Gesetze der Druckverteilung in unterschiedli- cher Gewebedichte und der Effekte von Scherkräften begründet [10]. Das Wis- sen um dieses Phänomen ist wichtig um eine adäquate Einschätzung des Scha- dens und eine entsprechende Therapie einzuleiten. | Epidemiologie Bedeutung des Themas Resultate einer Qualitätsmessung über 51 Krankenhäuser in der Schweiz erga- ben eine Inzidenz (Anzahl Neuerkran- kungen) von 3.1 % (Dekubituskatego- rie 1–4). International wird die Inzidenz als zwischen 5,7 und 21,2 % publiziert [17]. Direkte Kosten Ein HTA (Health-Technology Assess- ment) -Bericht [15] schätzt eine durch- schnittliche Verlängerung der Spi- talverweildauer von 14 Tagen bis zu a b c d Abbildung 2 Dekubitus Kategorien nach EPUAP (a–d).

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