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SAfW Wundkompendium - 20 Dekubitus: Epidemiologie, Definition und Prävention

20 · Wund Management Sonderheft 3/2012 Dekubitus 1 Dekubitus: Epidemiologie, Definition und Prävention D. von Siebenthal, S. Baum ZUSAMMENFASSUNG Ein Dekubitus entsteht durch Druck und Scherkräfte. Die Dekubitusprävention ist nicht neu. Dennoch bleibt sie ein brisantes Thema. Einerseits wird die Entstehung eines Dekubitus als Quali- tätsmerkmal gewertet, andererseits ist die Forschungslage zur Entstehung und damit auchzurVorbeugung ungenügend. Diskutiert wird zunehmend, dass soge- nannt einfache Skalen zur Einschätzung des Risikos nicht genügen. Der Schlüssel zur Dekubitusvermeidung ist die Identifi- zierung von Patienten und Zuständen die ein Risiko für die Dekubitusentstehung beinhalten. SCHLÜSSELWÖRTER Dekubitus, Prävention | Einführung Das Thema Dekubitus hat an Aktualität gewonnen. Eine Vielzahl von Leitlinien wurden in den letzten Jahren in interna- tionaler Zusammenarbeit erstellt [3, 13, 14, 16]. Studien belegen, dass an Deku- bitus Erkrankte unter Schmerzen durch das Ulkus leiden, zum Teil langjährige Folgen zu tragen haben und schwerwie- gende Einschränkungen der Lebens- qualität beklagen [14]. Für die Schweiz, organisiert durch den Nationalen Ver- ein für Qualitätsentwicklung in Spitä- lern und Kliniken (ANQ) und der Berner Fachhochschule, finden internationale Erhebungen der Dekubitusprävalenz statt. Diese Erhebungen werden jähr- lich an einem Stichtag wiederholt [1]. Für die Leistungserbringer im Gesund- heitswesen stehen der Ausweis der Ver- sorgungsqualität, die Kosten, aber auch Rechtsfragen in Bezug auf die Haftung im Vordergrund [19, 23, 25]. Im Rah- men des Qualitätsmanagements wird die Reduktion von Dekubitusinzidenz und -prävalenz als eines der obersten Ziele erklärt [23]. Brisant ist dabei, dass aktuelle Leitlinien darauf hinweisen, dass das wissenschaftsbasierte Wissen um Dekubitus nach wie vor begrenzt ist [13, 14, 16]. Eindrücklich zeigt dies die Leitlinie der EPUAP / NPUAP (2009). Obwohl sie eine Vielzahl von Empfeh- lungen abgibt, basieren die meisten auf Expertenmeinungen (Tab. 1). Was wird unter Dekubitus verstanden? Der Begriff Dekubitus stammt aus dem Lateinischen. Allgemein wird ange- nommen dass der Begriff von decum- bere – „darniederliegen“ oder auch von decubare „liegen“ hergeleitet wurde. Ursprünglich wurden Druckgeschwü- re Gangraena per decubitum „faulige Wunde durch Liegen“ genannt, der Be- griff wurde im Laufe der Zeit zu Deku- bitus gekürzt und eingedeutscht. Der sprachlich korrekte Plural von Decubi- tus ist Decubitus (mit langem u in der letzen Silbe). Im Englischen werden die Begriffe pressure ulcer, pressure sore, bed sore oder decubitus benutzt. Dekubitus wird durch die EPUAP/ NPUAP (2009) im Originaltext als pres- sure ulcer benannt und in der deutsch- sprachigen Übersetzung folgenderma- ßen definiert: „Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Ge- webes, in der Regel über knöchernen Vorsprüngen infolge Druck oder von Druck in Kombination mit Scherkräf- ten. Es gibt eine Reihe weiterer Fakto- ren, welche tatsächlich oder mutmaß- lich mit Dekubitus assoziiert sind; de- ren Bedeutung ist aber noch zu klären“. Die EPUAP-Definition von 2004 ent- hielt zusätzlich den Faktor Reibung als wesentliche Ursache für die Entstehung zu Dekubitus. Die neu konkrete Benen- nung der Lokalisation „über knöcher- nen Vorsprüngen“ verstärkt den Faktor „Druck“ zusätzlich. Eher ungewöhn- lich für eine Begriffsbestimmung wird in der Definition EPUAP/NPUAP auch deutlich, dass das Wissen zu Dekubitus und seinen Einflussfaktoren als unge- nügend beurteilt wird. Was ist Druck? Druck ist eine physikalische Größe, die durch die Gleichung P = F/A darge- stellt wird. Druck wird dabei definiert als Kraft (F) die senkrecht auf eine Flä- che (A) wirkt. Im menschlichen Gewe- be wird Druck als „Druckwelle“ weiter- geleitet. Deren Richtung ist abhängig von der Gewebedichte und Kontur des (im Bezug auf Dekubitus knöchernen) Widerlagers. Die Erdanziehungskraft produziert eine Kraft, die den Patienten auf die Unterlage drückt auf der er liegt. Wenn der Mensch auf einer Matratze liegt, werden sowohl der Körper als auch die Matratze elastisch verformt. Kraft kann in zwei Komponenten ge- teilt werden: Doris von Siebenthal, MSc Leiterin Wundberatung Kantonsspital Baden AG E-Mail: doris.vonsiebenthal@ksb.ch Anzahl der Empfehlungen gesamt Anzahl der Empfehlungen nach Empfehlungsstärke Prävention: 67 A*: 6; B: 12; C: 49 Therapie: 340 A: 1; B: 48; C: 291 *A = große RCT, B = RCT bis Case Studies, C = Expertenmeinungen, Hergeleitete Resultate aus Studien anderer Gebiete. Tabelle 1 EPUAP/NPUAP Empfehlungsstärke für Leitlinienempfehlungen.

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